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Kino Späte deutsche Kinostarts für Hollywood- Filme

Die Termine für die deutschen Kinostarts werden oft nach hinten verlegt, obwohl sie in den USA und dem restlichen Europa schon lange laufen. Ob die Film-Nachzügler später mehr Zuschauer finden als im Sommerloch, ist mehr als offen.

30.07.2012 17:36
Thomas Klein
Jetzt endlich auch in deutschen Kinos: „Merida“. Foto: dpa

Hollywood hat sich für seine Großproduktionen ein effizientes Verwertungskonzept einfallen lassen. Besonders die überproduzierten Blockbuster starten heutzutage mehr oder weniger weltweit synchron in den Kinos, um die Werbewirkung der verschiedenen Premieren und PR-Veranstaltungen zu maximieren, die Kosten dafür zu minimieren – und es den gefürchteten Video-Piraten und Raubkopierern möglichst schwer zu machen. Die kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Zuschauernation ignorieren die Hollywood-Studios dabei weitgehend.

In den USA etwa gehört der Kinobesuch besonders für Teenager, die zwischen Mai und September sehr lange Ferien haben und bei Gefallen mehrmals in den gleichen Film gehen, zum traditionellen Sommerprogramm. In Deutschland ist das anders: Kinotechnisch gilt die Saison als Saure-Gurken-Zeit; selbst wenn der Sommer eigentlich nur kalendarisch stattfindet, ist man lieber verreist, sitzt am Computer oder vor dem Fernseher, statt ins Kino zu gehen. Auch im Juni 2012 gab es in den deutschen Kinos wieder einen spürbaren Besucher- und Umsatz-Einbruch.

Konkurrenz unerwünscht

Doch nun möchte man fragen, ob die geringe Nachfrage nicht auch mit dem Angebot zu tun hat. Denn die deutschen Starttermine einiger attraktiver, für die Verleiher und Lichtspieltheater lukrativer Filme wurden entgegen dem üblichen Geschäftsmodell nach hinten verlegt. Beispiel Animationskino: Zwar hatten „Merida – Legende der Highlands“ und „Madagascar 3“ schon im frühen Juni ihre Weltpremieren und laufen anderswo auch längst in den Kinos, doch deutsche Zuschauer müssen noch bis zum 2. August auf „Merida“ und bis zum 2.Oktober auf „Madagascar 3“ warten. Für die Konkurrenten, den vom März nachgereichten „Lorax“ und den vierten Teil der unerklärlich populären „Ice Age“-Reihe, ist das eine gute Nachricht. Auch „Men in Black 3“ und der „Amazing Spider-Man“ haben vom geringen Wettbewerb profitiert. Doch ob die Film-Nachzügler später mehr Zuschauer finden als im Sommerloch, ist mehr als offen.

Besonders schwer wird es wohl „Prometheus – Dunkle Zeichen“ haben. Bis auf die wichtigen Märkte Deutschland und Japan ist Ridley Scotts „Alien“-Vorgeschichte seit Anfang Juni fast weltweit in den Kinos zu sehen. Und trotz zwiespältiger Besprechungen hatte der Film in den USA zum Startwochenende solide Umsatzzahlen. Hierzulande wird es allerdings nicht so einfach. Nach über zwei Monaten sind die internationalen Marketing-Bemühungen nämlich verpufft. Die Verwertungsmaschine läuft indes unbeeindruckt weiter: Bereits Ende September erscheint Ridley Scotts Film mit den üblichen Beigaben und Bonus-Sequenzen im europäischen Ausland auf DVD für das Heimkino.

Im Herbst kommt die Blockbuster-Bugwelle

Aber nicht nur für die Filmverleiher wird es durch die Start-Verschiebungen ein schwieriger, heißer Herbst, sondern auch für das Publikum. So gibt es demnächst eine Blockbuster-Bugwelle: „Total Recall“, „The Expendables 2“ und „Das Bourne Vermächtnis“ starten je erst etwa vier Wochen nach ihrer US-Premiere. Im schnelllebigen Filmgeschäft riskieren deutsche Verleiher auch da rasch verblassende Coolness, schlechte Mundpropaganda und piraterie-bedingte Einbußen.

Für spektakuläre Einspielzahlen und Startwochenenden brauchen Blockbuster sehr viele der gut 4600 Kinoleinwände in Deutschland: 800 bis 900 sind für einen großen Filmstart nicht ungewöhnlich. Das bedeutet noch mehr Monokultur im Multiplex. Im Spätsommer und Herbst werden Zuschauer jenseits der Hollywood-Spektakel wohl wenig anderes zu sehen bekommen. Aufgeschoben ist nämlich nicht aufgehoben, und der Verdrängungswettbewerb wird nur verzögert.

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