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Kenneth Branaghs "Thor" Mit dem Hammer philosophieren

In den Himmelreichen herrscht nur dumpfes Deklamieren und architektonischer Bombast der tristen Sorte vor. Und so ist in Kenneth Branaghs "Thor" nur das amüsante Geplänkel auf der Erde gut.

Hauptsache Hammer: Chris Hemsworth als Thor. Foto: Paramount/dapd

In grauer Vorzeit machten die außerirdischen Reiche Asgard und Jotunheim halb Skandinavien zu ihrem Schlachtfeld und flößten den Einheimischen einen derartigen Schrecken ein, dass diese die aus dem All gekommenen Weltenbummler für Götter hielten. Odin verlor im Triumph sein Auge, was die braven Wikinger sogleich in ihr nationales Epos, die Edda, schrieben, und auch sonst liegen sie für verängstigte Zaungäste erstaunlich dicht an der Wahrheit. Jedenfalls, wenn man Kenneth Branaghs „Thor“, die Verfilmung des gleichnamigen Marvel-Comics, als Maßstab nimmt.

Mythopoetisch bewegt sich „Thor“ damit etwa auf einer Ebene mit „Hop – Osterhase oder Superstar“. In beiden Filmen leben die Helden in einem den menschlichen Blicken verborgenen Reich digitaler Fantasien und liefern den verblüfften Sterblichen einen mehr oder weniger freiwilligen Beweis für ihre Existenz. Vorausgegangen ist dem Erdensturz jeweils ein Problem mit der hochherrschaftlichen Thronfolge, behoben wird es in beiden Fällen durch das Erlernen heldenhafter Demut, und am Ende taumelt der heimtückische Nebenbuhler hilflos im All. Der Humor ist ebenfalls weitgehend derselbe, lediglich in Sachen lärmender Gewalt liegt „Thor“ um eine Hammerstiellänge vorn.

Obwohl die drei Drehbuchautoren mit den nordischen Göttersagen nicht viel anzufangen wissen, haben sie die Bedeutung des Begriffs „Ragnarök“ verinnerlicht und künden den drohenden Untergang des Götterreichs Asgard mit angemessenem Kampfgetöse an. Eine Abordnung aus Jotunheim bricht den Frieden, dringt in Odins Festung ein und versucht den dort aufbewahrten Eiskristall, die Quelle der Macht, zurückzuholen. Thor will blutige Rache nehmen und begehrt gegen seinen Vater auf. Zur Strafe wird er seiner Superkräfte beraubt und mit Blitz und Donner nach New Mexico verbannt. Hier lernt er eine von Natalie Portman gespielte Astrophysikerin kennen, die seinen vom Hammerwurf geformten Körper ausgiebig bewundert und den anscheinend vom Himmel gefallenen Gast gern in mehr als einer Hinsicht erforschen würde.

Ohne das amüsante Geplänkel auf der Erde wäre das ganze „Thor“-Universum nur Schall und Rauch. In den Himmelreichen herrscht jedenfalls dumpfes Deklamieren und architektonischer Bombast der tristen Sorte vor: Jotunheim ist ein zerklüfteter, in den grauen Fels gehauener Staat, Asgard versucht die Vorstellungskraft mit goldenen Kathedralen und riesigen Gewölben zu überfordern. Selbst Riesen verlieren sich in dieser prahlerischen Einöde, die durch die sparsamen 3D-Effekte nicht wesentlich aufgewertet wird. Kenneth Branagh ist dazu auch nichts anderes eingefallen, als ständig die Kamera zu kippen und seitlich geneigt aus Ober- oder Untersicht auf das Geschehen zu schauen. Er will damit wohl betonen, dass die menschliche Perspektive – die Kamera in Augenhöhe – nicht maßgeblich für die Geschichte ist. Aber das wissen wir schon längst.

Thor, Regie: Kenneth Branagh, USA 2011, 115 Minuten.

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