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Jodie Fosters "Der Biber" Viel Holz um nichts

Das tragikomische Psychodrama „Der Biber“: Mel Gibson macht noch die beste Figur in dieser befremdlichen Reise ins psychologische Absurdistan. Sonst mag man Jodie Fosters durchaus effektvoller Inszenierung kaum folgen.

Herr und Frau Biber: Jodie Foster und Mel Gibson. Foto: cannes/dpa

Die Medienpersona ist für einen Filmstar Fluch und Segen zugleich. Kann man sich Mel Gibson in einer Filmrolle ansehen und vergessen, womit man ihn sonst noch verbindet – christlichen Fundamentalismus, häusliche Gewalt oder Alkoholexzesse? Wir versuchten es gern, doch nicht einmal Regisseurin Jodie Foster, die das „gefallene Idol“ des Boulevards als Hauptdarsteller rehabilitiert, traut es uns zu. So gibt es in „Der Biber“ eine kurze Szene, in der Gibson als Spielzeugfabrikant Walter Black alkoholisiert einer Fernsehpredigt folgt: Selbstironie ist Hollywoods Art, mit reuigen Sündern umzugehen.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Film noch eine Komödie, wenn auch über ein ernstes Thema: Burnout und eine jahrelange Depression haben den Unternehmer seinen beruflichen Erfolg und den Rückhalt seiner Familie gekostet. Nur ein Augenblick trennt ihn noch vom Suizid, als seine Aufmerksamkeit auf ein Spielzeug seiner Kindheit fällt – die abgenutzte Handpuppe eines Bibers. In einem intuitiven Akt der Selbsttherapie flüchtet sich Gibson zurück ins Kinderspiel, streift die Puppe nicht mehr ab und ist für alle Welt fortan nur noch „der Biber“. Die Puppe spricht mit lustigem Cockney-Akzent, wickelt alle ein mit ihrem Charme und tut ansonsten, was ein Biber tut: Sie packt an, produziert reichlich Sägespäne und damit erst einmal Erfolg. So entsteht für die Firma ein neues Modespielzeug, ein Biber-Baukasten. Und auch die zerbrochene Beziehungskiste zimmert der Biber im Handpuppen-Umdrehen wieder zurecht.

Dann aber wendet sich das Blatt. Die zurückgekehrte Gattin (Jodie Foster) will nicht länger nur Frau Biber sein – auch wenn die obligatorische Handpuppe auch im Bett zunächst für gut Holz gesorgt hat. In einer radikalen Wendung ins bitterste Melodram kommt es plötzlich knüppeldick. Was für die Gibson-Figur in letzter Konsequenz bedeutet: Besser Arm ab als arm dran.

Welcher psychologische Sinn indes in der drohenden Selbstverstümmelung liegen soll, fragen wir uns schon gar nicht mehr: Da hat uns Jodie Fosters durchaus effektvolle Inszenierung längst verloren, dem haltlosen Drehbuch des Nachwuchsautors Kyle Killen mag man nicht mehr folgen. Mel Gibson allerdings kann nichts dafür: Er macht noch die beste Figur in dieser zusehends befremdlichen Reise ins psychologische Absurdistan.

Der Biber, Regie: Jodie Foster, . USA 2011, 91 Minuten.

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