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Jean Reno in „Kochen ist Chefsache“ Die Herdprämie für den Chef

Kulinarisches Kino: Jean Reno schwingt den Löffel in „Kochen ist Chefsache“. Reno, dem Action-Star, traut man in der Küche alles zu, schließlich verarbeitet er ja sonst seine Gegner auch zu Hackfleisch.

05.06.2012 18:45
Philipp Bühler
Gutes Essen will schwimmen: Alexandre (Jean Reno, l.) und Jacky (Michaël Youn). Foto: Senator

Die Idee mit Jean Reno als Küchenchef leuchtet so unmittelbar ein, dass man schon wieder grübelt. Ist der coole Franzose nicht sogar der einzige Action-Star, dem man ohne weiteres den Kochlöffel in die Hand drücken wollte? Aber gut, Reno ist ja auch der einzige französische Action-Star! Einem Mann, der seine Gegner zu Hackfleisch verarbeitet, traut man auch in der Küche alles zu.

Seine neue Aufgabe als Maître de Cuisine Alexandre Lagarde geht Reno indes ruhiger an. Er lässt sich dabei von einem garstigen Wicht sogar übel auf der Nase rumtanzen. Michaël Youn, in Frankreich als Komiker bekannt, spielt den Amateurkoch Jacky. Beim längst ideenlosen Altmeister Lagarde will er seine Karriere starten. Nach einem heiteren Pastiche zurückliegender Misserfolge stürzt er quasi mit der Spitznase voran durchs Fenster in einen Kochtopf und damit in Alexandres Revier.

Innerlich kochen

Kennt man das nicht? „Kochen ist Chefsache“ als eine Art Realanimation von „Ratatouille“ zu betrachten, ist sicher nicht verkehrt. Andererseits haben auch die Trickser von Pixar nur die alten Küchengags aufgewärmt, die das kulinarische Genre verlangt: Der unterprivilegierte Held weiß alles besser, besiegt die feindlichen Testesser, entwickelt neue Rezepte und alles wird gut. Vielleicht macht Hollywood ja zum Dank ein Remake.
Die betont einfache Rezeptur bietet das an. Jackys schwangere Frau darf von der prekären Anstellung des Gatten nichts wissen, weshalb der zu Alexandres Fernsehshow – natürlich hat der Chefkoch eine chefmäßige Kochshow – in bizarren Verkleidungen erscheint. Auch der Routinier macht die Sache nicht zum Spaß. Als Geisel eines fiesen Finanzkonzerns muss er seine Sterne behalten. Sonst drohen der Verlust seiner Restaurants, der Existenz und ganz allgemein der französischen Esskultur.

Zu allem Übel verlangt es den Konzern nach der neumodischen Molekularküche, doch vom chemiegestützten Schäumen und Dämpfen essbarer Kulturgüter haben weder Meister noch Lehrling die geringste Ahnung.

In der einzigen wirklich haarsträubenden Szene spionieren die beiden in einem japanischen Avantgarderestaurant. Die Speisekarten kommen als iPad, die Helden als Travestie eines Samurai-Paars. Der Witz ergibt auf keiner Ebene Sinn, erinnert aber an den Klassiker „Brust oder Keule“ mit Louis de Funès. Darin führte der Anarcho-Komiker einen einsamen Kampf gegen die Lebensmittelindustrie. Den Konflikt zwischen Tradition und Moderne hat jetzt auch der Regisseur Daniel Cohen im Menu, doch de Funès’ 1976 so grotesk aufgeführter Ekel vor dem Neuen und Fremden liegt seinem Film fern. Alsbald versuchen sich die Gourmets an blaugewürfelten Kalbsbries-Spaghetti oder jener „Explosion von Rind an Ingwer“, die der Komödie einen weiteren Knaller beschert.

Anarchie war gestern

Nicht nur Jean Reno, auch die französische Komödie ist ruhiger geworden. Es wird versöhnt statt gespalten, Anarchie war gestern. Statt kleinbürgerlicher Wut herrscht internationales Flair im Wettbewerb der Stile und Marotten. Für einen frankophilen Auslandsmarkt, der sich an schnuckeligen Brasserien nicht satt sehen kann, scheint der durchaus wohlschmeckende Film auch gemacht.

Reno wirkt fast ein wenig müde darin, aber das tut er ja meistens. Plant er ernsthaft, den Löffel abzugeben? Oder holt er sich nur seine Herdprämie? Nie würden seine sanften Augen es verraten. Vielleicht kocht er ja eher innerlich und brät der kleinen Nervensäge gleich ordentlich eine über. Er war „Leon, der Profi“. Man traut es ihm zu.

Kochen ist Chefsache (Comme un Chef) Frankr. 2011. Buch & Regie: Daniel Cohen, Kamera: Robert Fraisse, Darsteller: Jean Reno, Michaël Youn u.a.; 84 Minuten, Farbe. FSK o.A.

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