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James Cameron im Interview James Cameron hatte „beim Dreh weiche Knie“

James Cameron weiß, wie man die Massen begeistert. Der amerikanische Regisseur über die 3D-Version von „Terminator 2“, seine erste Begegnung mit Arnold Schwarzenegger und die Dummheit der Amerikaner.

James Cameron
James Cameron hat viele moderne Spezialeffekte mitentwickelt und damit das Filmemachen revolutioniert. Foto: rtr

James Cameron dreht gerade „Avatar 2 & 3“. Für die Frankfurter Rundschau hat er sich dennoch die Zeit für ein Interview genommen. Er spricht dabei auch über sein anderes Lieblingsprojekt: „Terminator 2 – Tag der Abrechnung 3D“ (ab 28.8.2017 im Kino).

Mr. Cameron, warum haben Sie nach „Titanic“ gerade „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ für das 3D-Re-Mastering ausgewählt?
Nach „Titanic“ – der in der 3D-Version immerhin über 200 Millionen Dollar zusätzlich eingespielt hat – und „Avatar“ war „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ mein kommerziell erfolgreichster Film. Mittlerweile ist „T2“ ja sogar zum Kultfilm avanciert. Also lag es nahe, ihn noch einmal in einer 3D-Version ins Kino zu bringen. Ein ganze Generation von Fans konnte den Film bisher nur zu Hause schauen – jetzt gibt es die Chance, ihn da zu sehen, wo man es sollte: auf großer Leinwand im Kino. Natürlich war mir auch der künstlerische Aspekt sehr wichtig. Und in der Art und Weise, wie ich „T2“ damals gefilmt habe, war er auch technisch gesehen ideal für eine 3D-Bearbeitung.

Wie meinen Sie das genau?
Ich habe damals viel mit Weitwinkelobjektiven gearbeitet. Auch der Einsatz von Vorder- und Mittelgrund im Film war gut nachzubearbeiten. Natürlich hatte ich damals an eine 3D-Version keinen einzigen Gedanken verschwendet. Verrückt ist aber, dass ich auch früher schon bei allen meinen Filmen – natürlich unterbewusst – in dreidimensionalen Bildern gedacht und dementsprechend gefilmt habe. Zum Beispiel habe ich bei „True Lies“ sehr stark mit langen Einstellungen experimentiert. Die sind allerdings viel schwieriger in 3D zu konvertieren. Bei „Titanic“ habe ich dann wieder Weitwinkelobjektive benutzt. An dieser Stelle will ich auch ganz deutlich sagen, dass sich nicht jeder in 2D gedrehte Film für eine 3D-Version eignet. Es gibt schrecklich misslungene Beispiel dafür. Trotzdem denke ich, dass dem 3D-Kino die Zukunft gehört. Ich freue mich jedenfalls wahnsinnig über die neue „T2-3D-Version.

Nur leider werden 3D-Filme in den Kinos nicht immer optimal abgespielt. Sie sind oft zu dunkel. Warum machen Sie es eigentlich nicht wie Stanley Kubrick, der die Kinos, die seine Filme zeigen wollten, vorher auf ihre Abspiel-Qualitäten geprüft hat?
Sie werden lachen: Ich halte die Kinobetreiber immer dazu an, meine Filme richtig – also heller – abzuspielen. Aber leider habe ich nicht so viel Zeit wie Kubrick, um jeder einzelnen meiner Film-Kopien nachzujagen. Abgesehen davon sind die meisten digitalen Projektoren in den Kinos inzwischen sehr gut. Und die neuen Laser-Projektoren werden das Licht-Problem sowieso komplett ausmerzen. Wir sind da also auf dem richtigen Weg. Ich habe sogar den Eindruck, dass sich gerade eine neue Renaissance des 3D-Films anbahnt.

In den letzten Jahrzehnten gab es einen Quanten-Sprung in der CGI-Technologie, zu der Sie – vor allem mit „Avatar“ – maßgeblich beigetragen haben ...
… zusammen mit einigen anderen. Die erste computeranimierte Filmsequenz gab es 1985 in Barry Levinsons „Das Geheimnis des verborgenen Tempels“. Dann gab es eine 1989 in meinem Film „Abyss – Abgrund des Todes“. Dann waren ein paar Spezial-Effekte in „T2“ zu sehen. Ich war also in zwei der ersten Meilensteine der CG-Film-Effekte involviert. Und dann kam Steven Spielberg mit „Jurassic Park“. Diese fantastischen Effekte wurden alle vom Industrial Light & Magic-Team geliefert. Darauf folgte Peter Jackson mit Weta Digital und Motion Capture. Als ich Gollum zum ersten Mal auf der Leinwand sah, sagte ich mir: „Endlich kannst du jetzt „Avatar“ drehen!“ Der Film lag bei mir nämlich schon zehn Jahre in der Schublade.

Sie drehen gerade „Avatar 2 & 3“ – können Sie dafür die CGI-Technik noch steigern?
Zusammen mit meiner Produktionsfirma Lightstorm Entertainment haben wir in den letzten Jahren viele neue CGI-Effekte und Rendering-Techniken erfunden. Die setze ich jetzt natürlich ein. Was wir gerade bei „Avatar 2 & 3“ machen, ist allerdings weniger revolutionär als früher. Man wird nicht so sehr viel Neues auf der Leinwand sehen. Natürlich werden die neuen Filme noch klarer, noch realistischer, noch heller sein. Pflanzen, Bäume, Wasser – die ganze Umwelt sieht mittlerweile so echt aus wie im richtigen Leben. Und ich gebe Millionen von Dollar aus, um die richtigen Instrumente zu entwickeln, die ich dazu brauche, um sie so abzubilden. Zum Beispiel die naturalistischen Lichtreflexe. Oder den Wind in den Haaren. Der Foto-Realismus bei den neuen „Avatar“-Filmen wird also viel ausgeprägter sein als das, was Sie bisher kennen. Und die neuen Techniken sind vor allem auch eine große Zeitersparnis. Ich kann jetzt zwei „Avatar“-Filme in der Zeit machen, die ich vor zehn Jahren für einen brauchte.

„Es ist sehr schwer den Publikumsgeschmack einzuschätzen“, behaupten Sie. Aber sind Sie nicht selbst das beste Beispiel dafür, dass man es doch kann? Immerhin haben Sie die beiden erfolgreichsten Filme der Filmgeschichte gemacht.
Ich habe – zugegebener Maßen – bei der Wahl meiner Stoffe eigentlich immer ein gutes Händchen gehabt. Wie es aussieht, kann ich tatsächlich oft intuitiv erfassen, was die Zuschauer wirklich sehen wollen. Allerdings funktioniert das nicht so, dass man sich einfach hinsetzt und eine Szene schreibt, die dann in zwei, drei Jahren, wenn der Film endlich in die Kinos kommt, bei den Zuschauern einen Nerv trifft. Aber natürlich hoffe ich das jedes Mal. (Lacht) Deshalb gebe ich meinen Schauspielern immer den Rat, sie sollen so spielen, dass man sich das noch in 25 Jahren gerne anschaut. Das ist natürlich nicht gerade schauspielerfreundlich.

Haben Sie das Arnold Schwarzenegger beim ersten „Terminator“-Film damals auch gesagt?
Wo denken Sie hin?! Arnold war nach seinen beiden „Conan“-Filmen schon ein ziemlich gefragter Star in Hollywood. Ich hatte eigentlich bis dato nur zwei ziemlich schlimme Film-Flops vorzuweisen. Die Regie für „Terminator“ hatte ich auch nur deswegen bekommen, weil ich das Drehbuch geschrieben hatte und es für einen Dollar (!) an ein Hollywoodstudio verkaufte – allerdings unter der Bedingung, selbst Regie führen zu dürfen. Ich hatte beim Dreh also ziemlich weiche Knie. Ich war wahnsinnig nervös und wollte es mir mit meinem Star auf keinen Fall verderben. Aber wie sich dann herausstellte, war das Projekt schließlich für uns beide ein Gewinn.

Was inspiriert Sie denn beim Drehbuchschreiben?
Was mir bisher immer geholfen hat, ist, dass ich ein großer Film-Fan bin. Ich habe sehr viele Filme nicht nur gesehen, sondern regelrecht studiert. Und bei denen, die ich selbst gemacht habe, auch sehr viel gelernt. Außerdem habe ich sehr ausgeprägte Instinkte. Ich kann mich schon recht gut in ein Kino-Publikum einfühlen und in das, was sie vielleicht anspricht. Aber es ist ein sehr schwieriges Unterfangen und immer ein Wagnis. Niemand in Hollywood hat bisher die Formel für den absolut garantierten Kinohit gefunden. Vielleicht ist das auch ganz gut so.

Am Ende von „Avatar“ bezeichnen Sie unseren Planeten Erde als eine „sterbende Welt“. Was halten Sie also davon, dass Ihr Präsident Trump aus dem Pariser Klimaschutz-Abkommen aussteigen will?
Als ich das zum ersten Mal hörte, war ich – ehrlich gesagt – zu Tode erschrocken. Und ich bin heute noch total entsetzt. Die ganze Welt hat in Punkto Klimaschutz – nach vielen Jahren und sehr hartem Ringen – zum Glück endlich einen Konsens erreicht. Alle intelligenten Erwachsenen auf diesem Planeten wollen das Abkommen umsetzen. Und Trump will es nun aufkündigen! Aber das sind in Wirklichkeit ja nur ein Haufen leerer Phrasen von Trumps Hard-Core-Anhängern. Gott sei Dank sind die USA ja noch bis 2020 rechtlich an dieses Abkommen gebunden. Erst dann wäre der Ausstieg überhaupt möglich. Bis dahin ist Trumps erste Amtszeit hoffentlich längst Geschichte. Sollten wir Amerikaner allerdings so dumm sein und ihn tatsächlich ein zweites Mal wählen – dann verdienen wir es höchstwahrscheinlich, dass wir aussterben. Ich bedauere dann nur von Herzen all die anderen, die wir mit in den Abgrund reißen.

Interview: Ulrich Lössl

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