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Im Kino: „Petting Zoo“ Teenager in Texas

Mit wenigen Dialogen und umso mitteilsameren Bildern erzählt Micah Magees zartfühlender Coming-of-Age-Film „Petting Zoo“ von einer Schülerinnen-Schwangerschaft.

Devon Keller. Foto: Peripher Filmverleih

Zu den vielen Dingen, die nicht zum Leben gehören, zählt zweifellos der „Streichelzoo“, wie Micah Magee ihren Debütfilm genannt hat. Die Gegensätze von Kindheit und Gefängnis fallen in dieser Wortverbindung zusammen, aber wenn man das Wort klingen lässt, hört man auch eine unschuldige Art von Sinnlichkeit.

Es ist die Stimmung, die von diesem kostbaren kleinen Film ausgeht, der auf der Berlinale 2015 zu einem Geheimtipp wurde. Die im texanischen San Antonio aufgewachsene Regisseurin, die in Berlin studiert hat, erzählt darin von einer Teenager-Schwangerschaft in Texas.

Die begabte Layla hat gerade ein Stipendium für ein College in der Tasche, doch an ein Studium ist nicht mehr zu denken, als sie ihren Eltern von der Schwangerschaft erzählt. „Das ist überhaupt kein Problem, Du ziehst wieder in Dein altes Zimmer und wir kümmern uns als Familie um Dein Baby.“

Auf zarte Weise ruhig

Eine Abtreibung, für die eine elterliche Einwilligung nötig ist, kommt für den strenggläubigen Vater nicht in Frage. Hier könnte ein existentielles und tränenreiches Drama seinen Anfang nehmen, doch Micah Magees Film ist auf die gleiche zarte Weise ruhig, die von Hauptdarstellerin Devon Keller ausgeht. Sie spielt eine Außenseiterin, die doch nie alleine sein kann. Mit dem Jungen, von dem sie schwanger wurde, hat sie längst Schluss gemacht, aber gleich einen anderen gefunden.

In einer wunderbaren Szene, er bringt ihr gerade bei, wie man ein Auto mit Schaltknüppel fährt, erzählt sie ihm plötzlich von der Schwangerschaft. Der Junge ist völlig vor den Kopf gestoßen, aber aus seiner Reaktion wird sofort klar, dass er sich verantwortlich fühlt. Schließlich will er mit Layla zusammen bleiben.

Auch das Filmemachen ist kein Streichelzoo, insbesondere das mit bescheidenen Produktionsmitteln operierende amerikanische Independentkino hat es schwer. Hier kam ein wenig deutsche Filmförderung hinzu, was maßgeblich dazu beigetragen haben dürfte, dass wir diesen wunderbaren Coming-of-Age-Film auch im Kino sehen. Mit wenigen Dialogen und umso mitteilsameren Bildern erzählt er nicht nur von einer Erwachsenwerdung. Ohne Herablassung bettet er seine Geschichte in ein Bild der Provinz und seiner Menschen. Es wäre leicht gewesen, den Konservatismus bloß zu stellen. Hier gehört er einfach zu Dingen des Lebens, von denen man sich aus eigenem Antrieb emanzipieren kann.

Petting Zoo. D/USA 2015. Regie Micah Magee. 92 Min.

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