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Horror aus Cannes Aus dem Gleichgewicht

Sam Raimis Splatterfilm "Tanz der Teufel", 1981 in Cannes gezeigt, in Deutschland lange verboten, schockierte mit den Mitteln der Avantgarde. Kaum ein Film ist so einfach gemacht und so vollkommen in seiner Wirkung. Von Daniel Kothenschulte

Das Horrorgenre war einst Hollywoods Kunst-Asyl. Hier überlebte der deutsche Expressionismus im schattigen Gesicht von Boris Karloff, folgte der Surrealist Jacques Tourneur Zombie und Katzenmenschen ins Reich des Unbewussten. Auch Sam Raimis Splatterfilm "Tanz der Teufel", 1981 in Cannes gezeigt, in Deutschland lange verboten, schockierte mit den Mitteln der Avantgarde. Kaum ein Film ist so einfach gemacht und so vollkommen in seiner Wirkung. In seiner Drastik, aber auch in seinem Humor, veränderte er das Genre für immer.

Nach sieben Jahren "Spider Man" war Sam Raimi jetzt wieder mit einem Horrorfilm in Cannes, wo das Publikum nach der Vorstellung aussah, als käme es aus der Achterbahn. Genau das hatte Raimi vor. "Drag me to Hell" erzählt die uralte Geschichte von der leicht korrumpierten, dafür bitter bestraften Unschuld des Mädchens von nebenan. Als eine junge Bankangestellte (Alison Lohman) eine Sekunde lang an ihre Karriere denkt und sich weigert, der greisen Matrone einer Roma-Sippe das Darlehen zu verlängern, trifft sie ihr Fluch. Ein Knopf von der Jacke der Angestellten reicht für den Zauber aus.

Der Einbruch des Abgründigen in die nicht weniger verkommene Finanzwelt vollzieht sich erst langsam, dann tatsächlich im Achterbahntempo. Dass man oft in Gelächter fällt vor Schreck, gehört zur Kirmesattraktion dazu. Wie subtil Raimi tatsächlich arbeitet, lässt Komponist Christopher Young hören. Er hat eine wunderbare sinfonische Filmmusik geschrieben, würdig eines Bernard Herrmann, doch ein Soundtrack wird erst durch das künstlerische Sounddesign daraus. Wie sich der Klangraum allmählich verändert, wie die Bewegung des Filmtitels, "Zieh mich in die Hölle", den ganzen Film aus dem Gleichgewicht hebt, das ist große Kunst. Wie im klassischen Horror entspinnt sie sich gerade in Konkurrenz zur archaischen Erzählung. Der Film ist selbst wie die Prophezeiung, von der er erzählt: Wir wissen zwar, was passieren wird, aber nie wann oder wie. So verlässt man das Kino zwar kein bisschen schlauer, aber herrlich durch den Wind.

Drag Me to Hell, Regie: Sam Raimi, USA 2009, 99 Minuten.

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