Lade Inhalte...

Holocaust Flucht vor den verhassten Nazis

Die Holocaust-Überlebende Fanny Ben-Ami über ihre filmreife Flucht 1943 in die sichere Schweiz, bei der sie als 13-Jährige 28 andere jüdische Kinder rettete. Ihre Geschichte erscheint nun auf DVD.

Fanny
Fanny Ben-Ami (Mitte) alias Léonie Souchaud im Film von Regisseurin Lola Doillon. Foto: Nicolas Schul

Das war vielleicht Ihr Glück, sonst wäre Ihre Flucht womöglich anders ausgegangen...
Die Leute sagen oft zu mir, dass ich Glück hatte, dass wir auf der Flucht auf Menschen gestoßen sind, die uns unterstützt statt verraten haben. Ja, das mag sein, aber ich habe mir das Glück auch geholt. Ich habe nicht darauf gewartet, dass es zu mir kommt.

Inwiefern?
Weil ich an vielen Stellen die Initiative ergriffen habe. Zum Beispiel, als unser Zug nicht mehr weiter konnte, weil die Brücke zerbombt war. Der Schaffner hatte uns eine alternative Route über Lyon vorgeschlagen – aber ich wusste, dass Lyon voller Nazis war. Also sind wir als blinde Passagiere in einem Güterzug gefahren, der nicht über Lyon fuhr.

Sie sind nach dem Krieg nach Israel gezogen, obwohl Sie eigentlich wieder in Paris leben wollten.
Ja, ich hatte meine Schwester besucht, die schon vorher dort lebte. Ich war erstaunt, dass dort alle so offen Hebräisch sprachen und frei als Juden lebten. Das war in Europa noch lange nach dem Krieg nicht selbstverständlich.

Von da aus ließe sich leicht eine Brücke zu heute schlagen ...
Antisemitismus gibt es immer noch, nicht nur in Deutschland. Der Film ist ein Beitrag dagegen. Er wurde schon in vielen Ländern in Schulklassen gezeigt und ich bekomme viel Post. Ein syrischer Junge aus einem Flüchtlingsheim in Italien hat mir ein Bild gemalt, mit mir und ihm auf einem Berg, darunter steht „La Syrie. Fanny, I love you“. Die Kinder verstehen es, aber nicht die Großen...

„Die Großen“ hetzen heute sogar zuweilen gegen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ...
Aber es sind doch Kinder! Wenn sie falsche Ansichten haben, dann weil sie es so gelernt haben. Aber dann sind sie sogar zweimal Opfer – von Krieg und falschen Ansichten. Aber es bleiben Kinder, denen man helfen muss.

Interview: Simon Berninger

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen