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„Hidden Figures“ Sogar eine separate Kaffeekanne

„Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ erzählt vom Rassismus. Der zunächst harmlose Film zeigt, dass sich ein Wir-Gefühl am besten mit Hilfe von Feindbildern herstellen lässt.

01.02.2017 15:03
Susanne Lenz
Taraji P. Henson als Katherine. Foto: Twentieth Century Fox/dpa

Dieser Film erzählt eine kaum bekannte Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Es ist die Geschichte dreier Wissenschaftlerinnen, die so klug waren, dass man bei der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa nicht auf sie verzichten wollte, obwohl sie schwarz waren. Wir schreiben das Jahr 1961. Das Wort „Neger“ ist im Umlauf, und Segregation herrscht nicht nur in Bussen. Die afroamerikanischen Nasa-Angestellten arbeiten streng getrennt von den weißen Kollegen. Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) leitet zwar das Team afroamerikanischer Wissenschaftlerinnen, aber die Position ist weder offiziell, noch wird sie für ihre Arbeit entsprechend bezahlt. Mary Jackson (Janelle Monáe) würde gern als Ingenieurin arbeiten, das Potenzial hat sie, aber jedes Mal, wenn sie sich um den Posten bewirbt, setzt die Nasa die Eingangshürden höher.

Das ist alles schreiend ungerecht. Trotzdem handelt es sich bei „Hidden Figures“ um einen unwiderstehlichen Feelgood-Film mit komödiantischen Anteilen, um gekonntes Hollywood-Überwältigungskino, dem man sich gern überlässt. Die Kinder sind süß und sagen lustige Dinge, die Ehemänner agieren liebe- und verständnisvoll, und vor allem sind Gut und Böse so klar definiert wie sonst nur im Märchen. Und dass die Geschichte gut ausgeht, weiß man auch.

Die schwarzen Nasa-Frauen sehen ihre Stellung durchaus auch im Zusammenhang des Kampfs um Bürgerrechte, der in Form von Demonstrationen und Protestaktionen um sie herum tobt, im Film aber kaum gezeigt wird. Bewegung kommt in das Rassismusthema, als die genialste der drei Mathematikerinnen, Katherine Johnson (Taraji P. Henson) in die Weltraum-Task-Group versetzt wird, die den ersten amerikanischen Astronauten John Glenn ins All schicken soll. Hier wird sie von den weißen und fast ausschließlich männlichen Kollegen mit Eiseskälte empfangen. Nachdem sich die Neue aus der allgemeinen Kaffeekanne bedient hat, sorgen sie für eine zweite mit dem Aufkleber „farbig“.

In einer wiederkehrenden Szene sieht man Katherine Johnson von ihrem Schreibtisch bei der Task Group zum weit entfernten einzigen Klo für Schwarze rennen – ein Trip, der sie hin und zurück 40 Minuten kostet. In der Schlüsselszene des Films fällt ihrem Chef (Kevin Costner) die lange Abwesenheit seiner Angestellten auf. Als er den Grund hierfür erfährt, entfernt er mit einem Vorschlaghammer das Schild „farbig“ von der Toilette und weist sein Rechengenie an, künftig das nächstgelegene WC aufzusuchen. Er ist so besessen davon, den Wettlauf gegen die Sowjets im All zu gewinnen, dass nicht klar ist, ob er mit diesem Akt auch gegen die Diskriminierung von Schwarzen eintreten will.

Damit zeigt dieser erst so harmlose Film, dass sich ein Wir-Gefühl am besten mit Hilfe von Feindbildern herstellen lässt. Wenn sich so die verhassten Sowjets schlagen lassen, waren weiße Amerikaner sogar bereit, mit Afroamerikanern das Klo zu teilen.

Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen. USA 2016. Buch & Regie: Theodore Melfi. 127 Min.

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