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„Hereditary – Das Vermächtnis“ Eine amerikanische Familie

„Hereditary – Das Vermächtnis“ wird als Horror-Hit gefeiert – und ist doch nur ein Wiedergänger weit besserer Filme.

Der Film „Hereditary – Das Vermächtnis“ kommt in die Kinos
Sie sind nicht allein, denn irgendetwas ist hier noch im Raum. Foto: epd

In den USA erlebt gerade der psychologische Horror ein erstaunliches Comeback. Hymnisch wird da von der Kritik gefeiert, was genau besehen nicht viel mehr ist als ein Retro-Phänomen. Denn was „A Quiet Place“, „Get Out“, „Unsane“ oder „Winchester“ gemeinsam haben, ist, dass sie Filmen gleichen, die es schon gibt. 

Früher hätte der nerdige Videothekar um die Ecke schnell etwas Ähnliches aus dem Klassikerregal gezogen. Leider nur hat sein Laden schon vorletztes Jahr schließen müssen. Das ist für Hollywood die Chance, alles noch mal neu zu drehen. 

Dazu passt der Titel dieses Favoriten vom auf Hollywood-Nachwuchs spezialisierten Sundance-Festival: „Hereditary“, zu Deutsch: „erblich“. Noch bevor der fraglos begabte Debütant Ari Aster im letzten Drittel das Thema Okkultismus anschlägt, benehmen sich alle Filmfiguren wie Horrorfilm-Wiedergänger. In einem einsamen Haus im dünn besiedelten Utah treffen wir auf eine neurotische Familie. Man fragt sich, ob es in diesem verschlafenen Anwesen jemals lustig zugegangen ist. 

Nach dem Tod der Oma flüchtet sich die 13-jährige Enkelin bei Wind und Wetter in ihr Baumhaus. Newcomerin Milly Shapiro spielt den typischen Highschool-Außenseiter, immerhin hat ihre Filmfigur das künstlerische Talent der introvertierten Mutter (Toni Collette), einer Bildhauerin, geerbt. Während diese ihre Alpträume in naturalistischen Modellbauten verewigt, schneidet das Mädchen verunglückten Vögeln die Köpfchen ab. Wenigstens ist ihr Bruder (Alex Wolff) noch um ein halbwegs normales Teenie-Leben bemüht. 

Widerwillig begleitet ihn seine Schwester auf eine Party, von der sie nicht mehr lebend heimkommen wird. Am Steuer des verunglückten Wagens sitzt der Bruder, der fortan ebenfalls traumatisiert durch die muffigen Räume geistert. Nur der von Gabriel Byrne gespielte Vater lässt sich nichts anmerken. Den ganzen Film lang erfahren wir nicht, was er eigentlich beruflich genau macht. Vermutlich ist er den Tag über vollauf damit beschäftigt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Und das geht jetzt erst richtig los.

Seine Frau, die Künstlerin, entdeckt den Okkultismus. Ein paar bekannte Rituale und etwas Hokuspokus im dunklen Wohnzimmer reichen aus, um die tote Tochter anzurufen. Schon zu Lebzeiten morbid, hat sie nur darauf gewartet. Das wiederum ist zu viel für den armen Bruder, der sich in Selbstmarterung den Kopf auf dem Schultisch blutig schlägt. Apropos Kopf: In der Zwischenzeit ist die Leiche der Großmutter im Haus aufgetaucht, aber ohne den ihren. Wohl dem, der da nicht „psycho“ wird.

Bewunderer dieses formelhaften und wirklich nicht gruseligen Films loben den Fleiß seines Machers. Noch lange bevor Aster mit einer Finanzierung rechnen konnte – tatsächlich produzierten die beiden Stars Toni Collette und Gabriel Byrne mit –, zeichnete er sein Storyboard. Man kann sich gut vorstellen, wie sich da alles zusammensetzte: Hier ein bisschen „Psycho“, da ein Stückchen von „The Witch“ und von „Poltergeist“. 

Ja, er fehlt mit seinem guten Rat, der Videothekar um die Ecke. Was wohl aus ihm geworden ist? Wahrscheinlich schaut er gerade zum x-ten Male „Shining“ und hat einen herrlichen Abend.
 

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