Lade Inhalte...

Helmut Dietl Vom Suchen und Finden der Satire

Helmut Dietl liefert mit "Zettl" eine müde Satire ab. Der Regisseur von Erfolgswerken wie "Monaco Franze" und "Schtonk!" ist vom Humor des großen Kinos überrollt worden.

Der Regisseur Helmut Dietl. Foto: dpa

Der ganz normale Wahnsinn“, hieß eine seiner frühen Fernsehserien, und bis heute findet er ihn überall: Helmut Dietl (67), Deutschlands bekanntester lebender Komödienregisseur. Schon damals, 1978, hatte er sein Paradegenre gefunden: die romantisch angehauchte Mediensatire um einen glücklosen Journalisten, der die Leserpost beantworten muss, während er sich auf eine sonnige Insel träumt, war schon ein echter Dietl. Und der Überlebenskünstler mit Woody-Allen-Brille viel zu schade für seinen Sendeplatz am Vorabend.

So schnitt Dietl die Serie noch vor ihrer Ausstrahlung zum Kinofilm „Der Durchdreher“ zusammen. „Der ganz normale Wahnsinn“ blieb trotzdem das Thema des Regisseurs.

"Monaco Franze" wird zum Straßenfeger

Zum wahren Straßenfeger gerieten in den 80er-Jahren die Irrfahrten des uniformierten Casanova „Monaco Franze“. Diesen Erfolg zu übertreffen, schien ein Ding der Unmöglichkeit, doch Dietl schaffte auch das: Mit „Kir Royal“ folgte – in Zusammenarbeit mit dem Autor Patrick Süsskind – sein Meisterwerk. Wenn jemand den Lebensstil der Münchner Schickeria der 80er-Jahre in einer Zeitkapsel bewahren wollte, wäre er mit den Abenteuern des Klatschjournalisten Baby Schimmerlos bestens bedient.

Dennoch zog es ihn zum großen Kino. Der Skandal um die gefälschten Hitlertagebücher lieferte ihm die Vorlage für eine Satire, die den Irrsinn der Realität auf eine höhere Stufe stellte: „Schtonk!“ erzählte von falschem Ehrgeiz, doch in echten Kinobildern, gefilmt in CinemaScope, damals ein Unikum im deutschen Komödienkino. Und so sehr die Helden seiner folgenden Satire „Rossini“ auch dem Schickeria-Schick anhingen, schwelgte der Regisseur in wahrem Kinoglanz. Der Ernst-Lubitsch-Preis, den Dietl damals auch erhielt, hatte sich förmlich aufgedrängt.

Schwacher Einstieg in die Fernsehsatire

Dass sich Dietl dann 1999 mit dem Fernsehmilieu befasste, das er so gut kannte, und dem er doch stolz den Rücken kehrte, schien zwar folgerichtig. Doch „Late Show“ geriet zu seinem bis dahin schwächsten Werk. Thomas Gottschalk und Harald Schmidt mussten in den Hauptrollen erleben, wie schwer es ist, ein Medium in einem anderen zu parodieren.

In den folgenden zwölf Jahren konnte der für seine sorgfältige Vorarbeit berühmte Dietl nur noch zwei Filme realisieren. Die romantische Komödie „Vom Suchen und Finden der Liebe“, schwelgte trotz der Präsenz von Moritz Bleibtreu und Alexandra Maria Lara in einem merkwürdigen Pathos. Und in Dietls neuestem Werk wird der weise Klatschreporter gar für tot erklärt. „Zettl“, das groteske Sittengemälde um die politische Klasse Berlins wirkt wie ein später Nachzügler der Ära Schröder.

Dietls Überzeichnungen haben ihren Fixpunkt aus den Augen verloren. Schlimmer: Das große Kino, von dem Dietl so früh träumte, hat seinen Humor überrollt wie eine Maschine. Monumentalität mag vielen Genres nützen, doch für die Freiheit der Satire ist sie meistens Gift.

Wie oft hat sich Dietl über die Großmannssucht der Medienwelt amüsiert, jetzt hat sie ihn verschlungen. Was hier geschah, wäre fast selbst einen Dietl-Film wert: Da versucht sich ein Regisseur über die Dekadenz der Politik zu amüsieren – und ertrinkt dabei förmlich in den großzügigen staatlichen Filmförderfonds. Mit „Zettl“ wird ein humoristischer Alptraum wahr: Man fühlt sich großzügig unterhalten – und vergisst glatt dabei das Lachen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen