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Golden Globes Schwarz ist das neue Rot

Die Golden Globes zeigen sich kämpferisch und in Aufbruchstimmung – und Fatih Akin erhöht seine Oscar-Chancen beträchtlich.

Golden Globes 2018
Ein Bussi für den glücklichen Sieger: Diane Kruger und Fatih Akin. Foto: afp

Hollywood hat eine unnachahmliche Art mit Krisen umzugehen. Es zieht sich fein an. „Orange is the New Black“ heißt eine bekannte Gefängnisserie, bei der Golden-Globe-Verleihung am Sonntagabend hielt man es lieber gleich mit schwarz. Kaum einer der prominenten Gäste, der sich nicht an den dress code des Protests gegen sexuelle Gewalt und die Unterdrückung von Minderheiten in der Filmindustrie gehalten hätte.

Frauen posierten in schwarzen Designer-Roben, und viele der Männer, die sowieso in Schwarz gekommen wären, trugen unter dem Smoking zusätzlich ein schwarzes Hemd. Und Männer, deren Namen auf den Listen der #MeToo-Bewegung wegen Vorwürfen sexueller Gewalt stehen, blieben selbstredend zu Hause – selbst wenn sie mit nominierten Produktionen zu tun hatten.

Pixar-Gründer John Lasseter zum Beispiel, der sich eine sechsmonatige Auszeit wegen, wie er selbst sagt, „Fehltritten“ („missteps“) im Umgang mit weiblichen Angestellten genommen hat. Die von ihm mitverantwortete Produktion „Coco“ gewann dennoch verdient den Golden Globe als bester Animationsfilm. „Bei Pixar haben wir nun Schritte unternommen“, erklärte der prämierte Regisseur Lee Unkrich. „Wir werden es zu einem noch besseren Ort machen, an dem Leute Kunst schaffen können.“

Die Schauspielerin und Moderatorin Oprah Winfrey, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, erinnerte daran, wie sie als Mädchen 1964 erlebte, dass Sidney Poitier als erster Afroamerikaner einen Oscar für die beste schauspielerische Leitung bekam. Sie hielt eine Rede nicht nur gegen Armut, sondern auch gegen Rassismus und für Gleichberechtigung. „Zu lange wurde Frauen nicht zugehört oder ihnen nicht geglaubt, wenn sie es wagten, die Wahrheit über die Macht dieser Männer auszusprechen“, sagte die 63-Jährige. „Aber diese Zeit ist vorbei. Ihre Zeit ist vorbei.“ Die Wahrheit auszusprechen, sei die mächtigste Waffe. Winfrey, die viele US-Bürger gerne im Weißen Haus sähen, lobt die Medien, denen Präsident Donald Trump immer wieder die Verbreitung von Falschnachrichten vorwirft.

Eine filmische Aufarbeitung der Debatte um sexuelle Gewalt steht unterdessen noch aus; der einzige nominierte Film, der nach der Hollywood-Formel des klassischen „rape revenge“-Thrillers gestrickt ist, kam aus Deutschland.

Fatih Akin ist es mit seinem von den NSU-Morden inspirierten Thriller „Aus dem Nichts“ nicht nur gelungen, dem wohl schlimmsten Rassismus- und Polizeiskandal der jüngeren deutschen Geschichte ein Mahnmal zu setzen. Er hat Hollywood auch mit den eigenen Mitteln imponiert. Man tritt seinem Film nicht zu nahe, wenn man sagt, seine politische Bedeutung rangiere über der künstlerischen. Aber dann ist da ja auch noch eine dritte Qualität, und die gilt in Hollywood weit mehr als in Cannes, wo nur Hauptdarstellerin Diane Kruger einen Preis erhielt: Das ist der Unterhaltungswert in der gekonnten Anwendung klassischen Filmhandwerks.

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