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Glosse Neues vom Sparbären

„Wilde Maus“ und „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ sind die Höhepunkte des Wochenendes. Den neuesten Weiterungen der Karmakar’schen Sparsamkeitskunst sehen wir mit Interesse entgegen.

Mit der allseits beliebten Eröffnungsfeier im Adagio Club hat auch das Partyprogramm der Berlinale begonnen. Als ich das letzte Mal an diesem Ort schwoofte, trat dort eine ukrainische Pornopopgruppe auf, und es wurde Champagner aus von innen beleuchteten Kübeln gereicht. Am Donnerstagabend war die Musik deutlich gepflegter, aber auch leiser; das Publikum sollte gar nicht erst auf die Idee kommen zu tanzen, denn aus Spargründen war die traditionelle Party bis in den Freitagmorgen durch ein moderates Stehrumchen bis pünktlich 1 Uhr ersetzt. Dann verkorkten die Tresenkräfte wortlos die Flaschen und komplementierten die letzten Gäste hinaus.

Und was sind die Höhepunkte des Wochenendes? Am Samstag feiert der österreichische Film „Wilde Maus“ im Wettbewerb seine Premiere, das Kinodebüt des Kabarettisten und Autors Josef Hader. Es geht um einen charakterlich komplizierten fünfzigjährigen Mann, der sich tief in einer Midlife Crisis befindet. Er arbeitet seit ewigen Zeiten schon als Musikkritiker im Feuilleton einer Zeitung und genießt es, aufgrund seiner zugespitzten Konzertrezensionen als arroganter Typ wahrgenommen zu werden. Ich könnte also auch sagen: Dieser Film handelt von mir. Ich bin jedenfalls äußerst gespannt, wie sich der Protagonist der „Wilden Maus“ aus der existenziellen Klemme befreit, die entsteht, als er wegen redaktioneller Sparmaßnahmen arbeitslos wird.

Am Sonntag erlebt dann der neue Film von Romuald Karmakar seine Premiere, er heißt „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ und verspricht fünf Porträts bekannter Techno- und House-DJs wie Ricardo Villalobos und Roman Flügel in jeweils langen, ungeschnittenen Einstellungen; ein Konzept, das sich – sagen wir es mal so – nicht radikal von jenem des Films „196 bpm“ unterscheidet, mit dem Karmakar 2003 an der Berlinale teilnahm. Damals porträtierte er den bekannten House-DJ Hell in insgesamt drei langen Einstellungen. Ob es diesmal also fünfzehn sind? Den neuesten Weiterungen der Karmakar’schen Sparsamkeitskunst sehen wir mit Interesse entgegen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Berlinale

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