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Filmkritik Stromberg Der unwiderstehliche Fiesling

Der Kinoableger der Büroserie "Stromberg" ist ein Abschied zum Liebgewinnen und erreicht ein neues Publikum. Stromberg entdeckt sein Gewissen und seine Figur gelangt so zu überraschender Tiefe.

Foto: dpa

Wer hätte gedacht, dass man Stromberg, diesen unwiderstehlichen Fernsehfiesling, noch einmal beneiden würde? Aber genau das dürfte gerade passieren, zumindest in der Filmbranche. Denn ein Erfolg ist Arne Feldhusens Komödie an den Kinokassen sicher – wenn auch wohl kein ganz so großes Massenphänomen wie die Kinoversion von „Türkisch für Anfänger“. Aber Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle ist nun auch bei allem Respekt nicht ganz so attraktiv wie Elyas M’Barek. Wenigstens in der Außenwahrnehmung. Seine Filmfigur Bernd Stromberg sähe das natürlich ganz anders.

In dieser Geschichte sieht der Abteilungsleiter der Capitol-Versicherungen in einem anstehenden Betriebsfest zunächst wenig Gutes. Für seine partyfreudigeren Mitarbeiter hat er vorsorglich schon einmal abgesagt. Dann allerdings spricht sich herum, dass seine Abteilung abgewickelt werden soll, und eine andere Strategie ist angesagt. Mit voller Belegschaft fährt man zum Fest in ein abgelegenes Mittelklasse-Hotel und beschließt, sich unverzichtbar zu machen. Das gilt natürlich vor allem für Stromberg selbst, der sich zur wahren Rampensau aufschwingt – und wie jeder wahre Fiesling natürlich weiß, wie man sich beliebt macht. Jedenfalls bei Leuten, die einen nicht kennen. So weit, so vorhersehbar. Dann allerdings geschieht etwas Erstaunliches: Als sich Stromberg tatsächlich die Gunst der Manager erwirbt und die Chefetage in einem Edelbordell weiterfeiert, regt sich plötzlich ein Gewissen, das weit hinaus geht über bürgerliche Sexualmoral. Und die Serienfigur zu überraschender Tiefe führt – ab von aller bloßen Karikatur.

Der Film erreicht ein neues Publikum

Als „Abschiedsgeschenk“ an Fans und Mitwirkende gedacht, gelingt diesem Film tatsächlich Ähnliches wie 2011 der Kinoversion von „Türkisch für Anfänger“ – er erreicht ein ganz neues Publikum. Auch wer nie eine Folge auf ProSieben gesehen hat, glaubt auch die Nebenfiguren bestens zu kennen – so häuslich haben es sich die Schauspieler in ihnen Rollen eingerichtet. So entsteht eine Lebensfülle innerhalb des Ensembles, von der viele andere Komödien nur träumen können. Vieles wirkt nicht einmal inszeniert – jeder scheint hier intuitiv zu wissen, wie sich seine Filmfigur verhalten würde, und das ist eine Qualität, die man sich beim Film sonst nur in langer Probezeit erarbeiten kann. Es scheint mitunter, als habe das Team einfach selbst einen Betriebsausflug unternommen.

Auch die Produktion des Films ist ein Gruppenphänomen: Statt allein auf Filmförderungen und Senderbeteiligungen zu setzen, entschieden sich die Produzenten für Crowdfunding. Innerhalb einer Woche kam von 3000 Spendern eine Million Euro der 3,3 Millionen Produktionskosten zusammen, und gerne wäre man dabei gewesen. Auch wenn auf jede gute Pointe zwei kalte Kalauer kommen: Die Investition dürfte sich auszahlen – unterhaltsamere Komödien als „Stromberg – Der Film“ sieht man im deutschen Kino selten.

Stromberg – der Film. Regie: Arne Feldhusen. D 2013. 129 Min.

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