Lade Inhalte...

Filmkritik "Das Hochzeitsvideo" Kaspern vor der Kamera

Sönke Wortmann versucht sich mit "Das Hochzeitsvideo" am großen Vorbild "Hangover" - und scheitert: Alles wirkt wie auf grotesk-komisch getrimmt. Einzig Hauptdarstellerin Lisa Bitter überzeugt mit ihrer warmen Ausstrahlung.

"Hier sieht's aus wie bei Hangover", inhaltlich kann Sönke Wortmanns "Das Hochzeitsvideo" jedoch nicht daran anknüpfen. Foto: dpa

Sönke Wortmann versucht sich mit "Das Hochzeitsvideo" am großen Vorbild "Hangover" - und scheitert: Alles wirkt wie auf grotesk-komisch getrimmt. Einzig Hauptdarstellerin Lisa Bitter überzeugt mit ihrer warmen Ausstrahlung.

"Hier sieht’s aus wie bei ‚Hangover'", warnt die Braut Pia den Hobbykameramann Daniel, den Filmer ihres Hochzeitsvideos. Auch im Trailer zu Sönke Wortmanns Komödie „Das Hochzeitsvideo“ wurde das Versprechen aufgenommen, doch leider war da eher der Wunsch Vater des Gedankens. Zwar geht einiges drunter und drüber bei diesem Pseudo-Amateurfilm-Dokument der Vermählung einer lebensfrohen Pop-Promoterin mit einem etwas zu gut erzogenen Sohn reicher Eltern. Doch es ist nicht die Art von herrlichem Chaos, aus der die amerikanischen Erfolgskomödie gestrickt ist. Denn so etwas kann nur anzetteln, wer vorher ein ordentliches Drehbuch schreibt, wo jede absurde Wendung vom Zuschauer unbemerkt die nächste vorbereitet. In Deutschland indes, wo die Fördergelder für bestimmte Filmemacher wie von selber fließen, geht manches Buch ungeschliffen in die Produktion.

Diesmal musste alles ganz besonders schnell gehen. Es schien, als fürchtete man bei Constantin, die nicht wirklich originelle Idee könnte noch gestohlen werden. Das von Gernot Gricksch („Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“) verfasste Drehbuch wurde unter dem rätselhaften Titel „Keep the Fire Burning“ bei den Förderungsgremien eingereicht; als Regisseur firmierte ein ominöser Peter Hansen, obwohl man in der Branche längst wusste, dass sich dahinter Sönke Wortmann verbarg. Das Konzept: Alles sollte aussehen wie in jenen oft erfolgreichen Hollywood-Filmen im Amateur-Video-Look, die unter der Genre-Bezeichnung „found footage“ bekannt wurden.

Nun, es sieht nicht einmal von weitem so aus. Der selbst gewählten formalen Beschränkung, bei der Amateurkamera-Perspektive zu bleiben, wird Wortmann schon nach wenigen Minuten untreu. Das macht das Herumkaspern der Hochzeitsgäste vor dem allmächtigen Video-Auge nur noch alberner. Bereitwillig plappert die Braut über ihr Vorleben mit einem Pornostar, der sich ungebeten unter das Brautvolk gemischt hat.

Schubladendenken

Für gewöhnlich entwickeln derartige Komödien ihren Witz aus der Situation. Gricksch und Wortmann verfahren aber umgekehrt: Sie verordnen ihrem Ensemble peinliche Situationen aus der Schublade. Ein weiteres Problem liegt in der dramaturgischen Konstruktion selbst: Da der Film erst kurz vor der Hochzeitsfeier beginnt, kann die Vorgeschichte der Figuren nur über ausufernde Dialoge vermittelt werden. Alles wirkt wie auf grotesk-komisch getrimmt. Doch Filme dieser Art, etwa „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, sind ja nicht nur grotesk-komisch, sondern immer auch herzlich und sentimental – wie man es ja bei Hochzeiten erwarten darf.

Hier wird versucht, sich die Mühe eines gut geschriebenen Films zu ersparen, in dem man nach außen hin die Form des Dilettantismus vorgibt – freilich mit der Rückendeckung eines Budgets von mehr als drei Millionen Euro. Einfacher kann man es sich nicht machen. Eines aber muss man Wortmann lassen: Er hat ein erstaunliches Ensemble weitgehend unbekannter junger Schauspieler zusammen gebracht. Die Hauptdarstellerin Lisa Bitter ist mit ihrer warmen Ausstrahlung die Idealbesetzung des „girl next door“. Martin Aselmann gewinnt als smarter Videofilmer aus dem Nichts heraus erstaunliche Präsenz. Sie allein machen das Papier dieses vorhersehbaren Drehbuchs ab und an lebendig.

Das Hochzeitsvideo Dtl. 2012. Regie: Sönke Wortmann, Kamera: Maher Maleh, Christian Datum; 86 Min., Farbe. FSK ab 12.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen