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Filmfestival Jubel für die Abwesenden in Cannes

Das Filmfestival Cannes feiert Jean-Luc Godard und Jafar Panahi, Wim Wenders porträtiert Papst Franziskus.

3 Gesichter
Im Auto: Szene aus Panahis „3 Gesichter“. Foto: Memento Films

Papst Franziskus ist kein Kinogänger, und auch aus dem Fernsehen soll er sich nichts machen. Die Kamera aber liebt ihn trotzdem. In den Interviews, die er Wim Wenders für seinen Porträtfilm „Ein Mann seines Wortes“ gewährte, scheint zu allen im Kinosaal zu sprechen, ohne dass dabei der Eindruck entstünde, er fixiere ein Objektiv oder halte eine einfach Ansprache.

In den vier Sessions, die er dem protestantischen deutschen Filmemacher gewährte, hält sich Schweres und Leichtes die Waage. Wenigstens in Wenders’ Montage: Trauer und Empörung über die Missbrauchsverbrechen durch katholische Priester, Zorn über soziale Ungleichheit – und ein Morgengebet von Thomas Morus, das ihm jeden Morgen ein Lächeln aufs Gesicht zaubere: „Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen.“

Hörern von Radio Vatikan ist das längst bekannt, und wer sogar das Vatikanische Fernsehen CTV über das Internet nutzt, kennt auch schon einen Gutteil dieses Films: Ohne dass dieses Fremdmaterial im Film besonders ausgewiesen wäre, nutzt Wenders es über weite Strecken. Die bekannte Dokumentation einer Fußwaschung in einem Gefängnis wirft freilich die Frage auf, ob überhaupt die Persönlichkeitsrechte der Häftlinge gewahrt sind, die hier erkennbar in Großaufnahmen porträtiert werden. Wie uns der Verleih erklärt, habe man das Material in dieser Form vom Vatikan bekommen.

Nicht, dass wir diesem Papst, dem wohl einflussreichsten Verfechter sozialer Umverteilung, auch jenseits der Kirche nicht jede Öffentlichkeit wünschen. Er sagt großartige Dinge zur religiösen Toleranz bis hin zur Öffnung des Himmelreichs für Andersgläubige („Am jüngsten Tag werden wir alle eine große Überraschung erleben“). Aber in seiner Form ist dieser Film, der auf Einladung des Vatikans entstand, auch wenn Wenders ihn produzierte, kaum von einem PR-Produkt zu unterscheiden.

Was macht er also – selbst „außer Konkurrenz“ – im Programm von Cannes? Auch das einzige, was Franziskus zur Homosexualität erklärt, stammt aus einer oft gesehenen Pressekonferenz. Zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche erfährt man nichts Neues. Abgesehen von ein paar kleinen Spielszenen über Franz von Assisi, die Wenders’ mit einer Stummfilmkamera drehte, hätte auch jeder andere professionelle Filmemacher den Wunsch des Vatikans nach einem Papstfilm erfüllen können.

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