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Film „Viel Lärm um nichts“ Sittsame Fräulein am Pool

Aber das glaubt ihnen kein Mensch: Joss Whedon, als Blockbuster-Regisseur erprobt und mit „The Avengers“ erfolgreich, hat mit Freunden und Verwandten auf die Schnelle Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“ in die Jetztzeit versetzt. Das ist schick und läuft doch ins Leere.

25.07.2014 16:46
Anke Westphal
In "Viel Lärm um nichts": Amy Acker als Beatrice und Alexis Denisof als Benedikt. Foto: dpa

Unter Shakespeares unsterblichen Werken ist das Stück „Viel Lärm um nichts“ (1599) eines der schwierigsten. Es geht um Intrigen, Täuschung, Rufmord, Schande und Scheintod – alles zusammen als Komödie deklariert. Die Edelleute Claudio und Benedikt kehren hier von einem Feldzug zurück, in dem sie mit Don Pedro gegen dessen Stiefbruder Don Juan gekämpft haben. Sie kehren als Gast ein bei Leonato, in dessen stille Tochter Hero sich Claudio verliebt.

Währenddessen liefert sich der lebhafte Benedikt Wortscharmützel mit Heros scharfzüngiger Cousine Beatrice. Um sich die Zeit bis zur Vermählung zu vertreiben, machen Claudio und Hero nun durch allerlei Ränkespiele Benedikt und Beatrice mutwillig ineinander verliebt. Doch der grundboshafte Don Juan vergiftet die Tändelei der Brautleute, indem er Hero der Untreue bezichtigt. Claudio lässt die Hochzeit sogleich platzen – Hero fällt der Schande anheim. Am Ende fallen sich gleich zwei Brautpaare in die Arme.

Es gibt große Vorbilder

„Viel Lärm um nichts“ ist mehrfach verfilmt worden, etwa 1964 in der DDR durch den großen Martin Hellberg und 1993 durch das britische Multitalent Kenneth Branagh. Das Spiel um Schein und Sein sowie die Vorstellung von Menschen, die vor lauter Liebe töricht geworden sind, war tatsächlich immer wieder anschlussfähig in verschiedenen Zeiten und Verhältnissen – wiewohl der zentrale Begriff der Schande durch entweihte Brautschaft heute in westlichen Kulturen überholt erscheint.

Als wie problematisch er sich erweisen kann, zeigt die jüngste Kinoadaption der Komödie durch US-Blockbuster-Regisseur Joss Whedon, der einen großen Erfolg feierte mit der Marvel-Comic-Verfilmung „The Avengers“. Whedon verlegt die Handlung in die Gegenwart und in die USA. Statt Shakespeares Sizilien also Kalifornien: Hier, in seinem eigenen Haus in Santa Monica, drehte der Regisseur in nur zwölf Tagen mit Verwandten und befreundeten Schauspielern eine schwarz-weiße Variation. Dass man dabei recht textgetreu vorging, macht das Dilemma um so deutlicher. Lustig ist es zwar, wenn Benedikt – der hier Benedick (!) genannt wird – beim Frühsport hochliterarische Monologe aufsagt.

Weniger originell wirkt es hingegen, dass die aus dem Krieg heimgekehrten Adligen gewandet sind wie Neureiche, die gerade im organisierten Verbrechen Karriere machen. Es gibt eine Poolparty plus Artisten; in den Büschen am Haus schlagen sich Paparazzi herum.

Und eine Sache, die vielleicht schon zu Shakespeares Zeiten irritiert haben dürfte, wird völlig übergangen: Dass Hero diesem Claudio am Ende ohne Zaudern verzeiht und ihn freudig heiratet, obwohl er sie schrecklich beleidigte – das wird kaum eine Frau von heute nachvollziehen können, selbst wenn sie so traditionell eingestellt ist, dass sie Sex vor der Ehe für verwerflich hält. Und es geht ja nicht einmal um Sex, sondern um einen angeblichen Flirt vom Fenster aus. Die Irritation, die modisch gekleidete Menschen auslösen, wenn sie von „sittsamen Fräulein“ und „Jungfrauenehre“ sprechen, läuft bei dieser Inszenierung ins Leere.

Für Joss Whedon und seine Freunde war „Viel Lärm um nichts“ eine Art Entspannungsübung. Für manche Kinogänger wird dies indes die piefigste, langweiligste Shakespeare-Verfilmung sein, die je ins Kino kam. Für andere Zuschauer aber vielleicht die netteste.

Viel Lärm um nichts. Drehbuch & Regie: Joss Whedon. USA 2014. 109 Min.

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