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Film „Hannas Reise“ Nach Israel, der Karriere wegen

Ein Film von Julia von Heinz erzählt von „Hannas Reise“, die begleitet ist von Vorurteilen und Klischees.

24.01.2014 14:08
Cornelia Geissler
Itay und Hanna kommen sich nahe. Foto: Zorrofilm/dpa

Etwas mit Juden komme immer gut, behinderte Juden zählten doppelt. So laufe es heute in Deutschland, wenn man einen attraktiven Job haben wolle. So denkt sich das Hanna, die kurz vor dem Abschluss ihres BWL-Studiums im Bewerbungsgespräch bei einer Unternehmensberatung sitzt. Eine gescheiterte Konkurrentin ließ sie wissen, dass die Kommission soziales Engagement erwarte. Durch den leichtfertig hingeworfenen Satz, sie mache demnächst ein Praktikum in einer Behinderteneinrichtung in Israel, kommt es also zu „Hannas Reise“, wie Julia von Heinz ihren Film nannte.

Als wäre diese Ausgangskonstellation nicht schwierig genug, baut die Regisseurin einen Wall aus Klischees auf. Da ist nicht nur die junge Frau, die sich aus Berechnung sozial engagiert. Sie hat einen Anzug-feinen Freund, tätig im Finanzgewerbe, der in der teuren neuen Wohnung auf sie wartet und gelegentlich via Skype auftaucht. Suzanne von Borsody spielt Hannas Mutter nachlässig gekleidet als abgekämpfte Leiterin der „Aktion Friedensdienste“ als Kontrast zur strebsamen Tochter. Sie will ihr keine Blanko-Bescheinigung geben.

Nicht der richtige Ton

Hanna muss tatsächlich nach Israel. Dort landet sie in einer vermüllten, baufälligen Wohnung mit zwei weiteren Praktikanten. Die eine wird sich als politische Aktivistin noch in Schwierigkeiten bringen. Der andere ist ein braver Diener der Völkerverständigung. Hannas israelischer Kollege Itay begegnet ihr voller Vorurteile. Dazu passt, dass Hanna erst einmal viel zu unsensibel für die Arbeit mit den geistig behinderten Menschen ist. Und gegenüber der Holocaust-Überlebenden, mit der sie sich treffen soll, findet sie auch nicht den richtigen Ton.

So fällt es schwer, sich in diesen Film anzusehen. Natürlich lässt er schon durch seinen Titel Hannas Wandlung erwarten. Das könnte ja auch sein Thema sein: Findet diese selbstgewisse Deutsche aus der dritten Nachkriegsgeneration zu einem ernsthaften Interesse an der Geschichte? Ihre Mutter konnte ihr dieses Interesse – trotz oder wegen ihres Berufs – nicht vermitteln. Durch die alte Jüdin aber erfährt Hanna noch, dass es ein verschwiegenes Kapitel in ihrer eigenen Familie gibt. Das geschieht, als die junge Frau das Treffen mit der alten nicht mehr als Pflichttermin absolviert. Die israelische Theaterschauspielerin Lia Koenig stattet diese Rolle mit einer Wärme und Mütterlichkeit aus, die Hanna nicht von zu Hause kennt.

Soziales und politisches Erwachen

Auch das Verhältnis zu Itay ändert sich. Der gut aussehende Israeli gefällt sich darin, die Deutsche zu verführen, konfrontiert sie jedoch weiter mit zynischen Witzen. Erst als die Handlung noch einmal einen Umweg geht, als Hanna und Itay eine Fahrt unternehmen, die wie beiläufig seine schwierige Familiensituation in einem Land zeigt, das sich ständig bedroht sieht, kommen sich die beiden näher. Hanna ist in einem Alter, da starke Eindrücke auch Wandlungen bewirken können. Die Darstellerin Karoline Schuch zeigt die emotionale und geistige Entwicklung der jungen Frau. Hanna nähert sich den Behinderten bald weniger hastig. Sie redet nicht mehr nur, sondern kann sich auch umsehen. Ihr soziales und politisches Erwachen wird begleitet und befördert von ihren Gefühlen für Itay.

Diese innere Reise Hannas vermittelt der Film glaubwürdig. Doch werden unterwegs zu viele Problemkisten zu schnell geöffnet und gleich wieder geschlossen. Der dunkle Fleck in Hannas Familiengeschichte, ihre Suche nach Absolution, erscheint wie hineingebastelt. Und Hannas deutsche Altersgenossen – ob nun der Freund zu Hause oder die WG-Mitbewohner – wirken wie Karikaturen. Unentschieden schwankt der Film zwischen einem Drama mit politischem Anliegen, einer Liebesgeschichte und der Aufarbeitung einer verkorksten Mutter-Tochter-Beziehung. Deshalb vermag Hannas Reise allein nicht zu fesseln.

Hannas Reise. Dtl./Israel 2013. Regie: Julia von Heinz, 100 Minuten.

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