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Film-Förderung Der DEFA-Stiftung geht das Geld aus

Die DEFA-Stiftung kann kein Geld zur Förderung neuer Filme mehr verteilen. Die Vergabe von Projektförderungen und Stipendien wird auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

16.12.2013 16:13
Anke Westphal
Die Zeit der alten Kopien läuft ab. Foto: picture alliance / dpa

Als die DEFA-Stiftung im Jahr 1998 gegründet wurde, stellte sie sich zwei Aufgaben: die Erhaltung sowie Verbreitung des DEFA-Filmerbes und die Förderung der heutigen deutschen Filmkultur durch finanzielle Zuschüsse. Das Letztere verdankte sich dem Umstand, dass etliche der Stiftungsgründer selbst Filmemacher waren, denen es am Herzen lag, eine lebendige Verbindung zwischen der DDR-Vergangenheit und der bundesdeutschen Gegenwart zu halten.

Das klappte in der Realität sehr gut: Bis zum Jahr 2013 flossen rund sieben Millionen Euro an Fördermitteln in die Recherchen zu neuen Filmen oder in Bücher, die sich mit der deutschen Filmgeschichte befassten. Vergeben wurden Stipendien für Regisseure, Autoren und Filmhistoriker, Förderungen für Festivals, Ausstellungen oder Filmreihen. Pro Jahr gingen rund 250 Anträge auf Zuschüsse bei der DEFA-Stiftung ein. Rund 60 davon wurden genehmigt und mit jeweils bis zu 12.000 Euro bedacht.

Das war schön und anerkennenswert. Aber natürlich mussten diese sieben Millionen erst einmal erwirtschaftet werden. Die DEFA-Stiftung konnte dabei vor allem auf drei Einnahmequellen zurückgreifen: Gelder aus der Verwertung des DEFA-Filmstocks durch den Progress-Film-Verleih, die Zinsen auf das Stiftungsvermögen und schließlich die Mittel aus der sogenannten Zweitverwertung. Das sind Gelder, die nach der Ausstrahlung von DEFA-Filmen im Fernsehen an die Stiftung fließen; besonders dank der Märchenfilme zu Weihnachten waren das eine ganze Menge. Die Ausschüttung dieser Mittel erfolgte jährlich durch die im Filmbereich tätigen Verwertungsgesellschaften, etwa die VGF, die bis 2008 pro Jahr etwa eine Million Euro an die DEFA-Stiftung zahlten. Danach allerdings fiel der Betrag immer geringer aus.

Aber nicht, weil die VGF keine Lust mehr hatte! Vielmehr gab es in diesem Schicksalsjahr 2008 eine folgenschwere Gesetzesänderung im Urheberrecht. Sie betraf das Vergütungssystem der Geräteindustrie, also der Hersteller von TV-Geräten und DVD-Recordern, Computern und Tablets, mit denen Filme, die vom Fernsehen ausgestrahlt werden, mitgeschnitten und kopiert werden können.

Das neue Vergütungssystem hat die Erwartungen aller Beteiligten indes nicht erfüllt. Im Gegenteil: Seit dieser Änderung stehen die Parteien im Konflikt, der mittlerweile in unzähligen Fällen die Gerichte beschäftigt. Das Geld, das die Geräteindustrie an die Verwertungsgesellschaften hätte zahlen müssen, wird zwar größtenteils „zurückgestellt“, auf eigenen Konten eingefroren. Da aber die VGF nur jenes Geld auszahlen kann, das sie auch einnimmt, musste sie also die Ausschüttungen weithin reduzieren. Nicht nur für die DEFA-Stiftung ist das ein gravierendes Problem, sondern auch für die in Wiesbaden ansässige Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (die für ihre aufwendigen Restaurationen von Stummfilmen übrigens auf Sponsoren angewiesen ist) und für zahlreiche große und kleinere Filmproduzenten, die nun ebenfalls sehr viel weniger Geld aus der Zweitverwertung erhalten.

Die Politik sieht das Problem

Wer aber ist schuld? Tatsache ist, dass 2008 ein Gesetz zum Urheberrecht verabschiedet wurde, das besonders im Hinblick auf die neuen Medien ohne eine Regelung fester Tarife blieb. Inzwischen scheint die Politik das Problem erkannt zu haben.

So heißt es im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD: „Wir wollen die kollektive Rechtewahrnehmung durch Verwertungsgesellschaften stärken und insbesondere die Aufsicht über die Verwertungsgesellschaften effektiver ausgestalten. Wir wollen Verhandlungen und Streitigkeiten über die Höhe der Privatkopievergütung schneller, effizienter und einfacher gestalten und werden eine Hinterlegungspflicht für gesetzliche Vergütungsansprüche einführen.“

Wunderschöne Worte – die nun dringend in die Tat umgesetzt werden müssen. Denn für betroffene Einrichtungen wie die DEFA-Stiftung tickt die Uhr. Schon in den vergangenen beiden Jahren sah sich diese Stiftung gezwungen, ihre Einnahmelücken dadurch zu schließen, dass sie eigene Rücklagen antastete. Weil die aber nicht unbegrenzt sind, musste die Summe, die für Förderanträge bereitstand, ab 2012 auf jährlich 250.000 Euro halbiert werden. Und nun sind die Rücklagen vollends erschöpft.

Uns erreichte dazu folgende Mitteilung: „Mit großem Bedauern beschloss der Stiftungsrat der DEFA-Stiftung auf seiner Sitzung am 13. November 2013, dass die Vergabe von Projektförderungen und Stipendien durch die DEFA-Stiftung ab 2014 auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wird. Hintergrund dieser drastischen Maßnahme ist die schwierige Finanzsituation der Stiftung, die vor allem aufgrund unregelmäßiger und deutlich geringerer Zahlungen durch die Verwertungsgesellschaften eingetreten ist. Bislang haben die Einnahmen durch die Verwertungsgesellschaften die Hälfte der Erlöse der DEFA-Stiftung ausgemacht.“ Aber das ist, wie gesagt, schon lange vorbei.

Solange die Verwertungsgesellschaften nicht zur verlässlichen Zahlung zurückkehren, muss sich die DEFA-Stiftung von ihrer Förderung auch deshalb verabschieden, weil sie ihre begrenzten Mittel dringend zur Digitalisierung des eigenen Filmstocks benötigt. Denn ohne digitalisiertes Material ist dieser Filmstock auf längere Sicht nicht mehr auswertbar: Die Zeit der alten 35-mm-Kopien läuft erbarmungslos ab; sowohl das Fernsehen als auch die DVD-Vermarkter und zunehmend auch die Kinos verlangen digitalisierte Vorlagen. Doch die Digitalisierung eines Spielfilms kostet rund 15.000 Euro, ein kürzerer Dokumentar- oder Trickfilm schlägt mit rund 3000 Euro zu Buche.

Die DEFA-Stiftung verfügt über 750 lange Spielfilme und mehr als 3000 Dokumentarfilme. 2013 konnten, auch dank einer Unterstützung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Filmförderanstalt, 45 Filme digitalisiert werden. Der größte Teil wartet aber noch auf seine Überführung ins neue technische Zeitalter. Das ist eine Existenzfrage.

Übrigens: Die Klagewelle der Gerätehersteller gegen die Abgabeordnung könnte sich der Verwertungsgesellschaft Film zufolge im schlimmsten Fall bis zum Jahr 2018 hinziehen. Und das gerade jetzt, da die DEFA-Stiftung das Geld nicht nur für die Förderung, sondern eben auch für die technische Innovation dringend bräuchte. Damit das DDR-Filmerbe weiter sichtbar bleibt. Wer hätte da etwas dagegen?

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