Lade Inhalte...

„Fifty Shades of Grey“ Schattierungen des Luxus

„Fifty Shades of Grey: Befreite Lust“ setzt der Scheinheiligkeit der Trump-Ära ein Denkmal.

„Fifty Shades of Grey: Befreite Lust“
Dakota Johnson in Erwartung. Foto: dpa

Fifty Shades of Grey“, soviel war bisher bekannt, handelt von Masochismus. Wie ernst es den Produzenten mit diesem Thema ist, weiß man spätestens jetzt: Als Zielgruppe von „Befreite Lust“ müssen sie Anhänger eines sehr speziellen Kino-Masochismus vermuten: Größere Qualen lassen sich im Kino jedenfalls kaum durchleben.

Mit einem Cliffhanger endete der zweite Teil: Ein finsteres Vorleben des schwerreichen Unternehmers Christian Grey (Jamie Dornan) überschattete die sich anbahnende Eheschließung mit der wohlstandsverliebten Lektorin Anastasia (Dakota Johnson), wobei nicht einmal das offenbar missbräuchliche Verhältnis des minderjährigen Christian mit einer reiferen „Mrs. Robinson“ die schlimmsten Narben hinterlassen hat. Aus der schweren Kindheit des Waisenjungen taucht nun ein Schatten auf, ein mit mörderischer Eifersucht infizierter, ehemaliger Heimgenosse. Der Mann, der die Jungvermählten aus der Ferne aufschreckt, indem er während ihrer Flitterwochen in der Firmenzentrale Feuer legt, ist niemand anderes als Anastasias Ex-Chef Jack Hyde. Der war entlassen worden, nachdem er sie sexuell belästigt hatte.

Einen plumpen Entführungscoup hat er sich ausgedacht, um von Anastasia fünf Millionen Dollar zu erpressen. Dass sie sich darauf einlässt, leichthändig ihren Bodyguard abschüttelt und sich mit einem Damenrevölverchen bewaffnet ins Versteck des Schurken aufmacht, kann man nur indirekt erklären. Angelegt als lineare Selbstfindungsgeschichte, wäre ihre Erzählung eigentlich schon vorbei, wenn dieser Film beginnt: Mit der Hochzeit mit einem Mann, dessen sexuelle Orientierung sie schon bald weit weniger anregt als sein Reichtum. Wie soll man auch ein Märchen weitererzähen, in dem die Schöne das reiche Biest geheiratet und auch gezähmt hat?

Das Schamloseste an diesem Film ist nicht sein mit leisem Kettenrasseln und Eisgeklecker aufgepeppter Kuschelsex. Es ist die Unterstellung, ein weibliches Massenpublikum könne sich mit dieser hemmungslos materialistischen Heldin identifizieren. Der einzige Zweck dieser Räuberpistole besteht darin, sie im goldenen Käfig, der hier als Liebesparadies verkauft wird, interessant zu machen.

Ein Dokument einer düsteren Epoche

Wie sehr muss man im Nachhinein Sam Taylor-Wood bewundern, die den todlangweiligen ersten Teil zumindest mit einer gewissen Geschmackssicherheit hinter sich brachte. Seit dem zweiten Teil durchströmt ein billiger Popsoundtrack das Ganze, und selbst banalste Dialogszenen werden wie Telenovelas untermalt. Dass BDSM-Sex nun fast gar keine Rolle mehr spielt, ja förmlich pathologisiert wird, kann man nicht nur mit der Buchvorlage erklären. Offenbar als Reaktion auf eine falsch verstandene MeToo-Debatte tabuisiert Regisseur James Foley nun auch das einvernehmliche Spiel mit Dominanz und Unterwerfung. Eines Tages wird man diesen Film als Dokument einer düsteren Epoche aus dem Archiv ziehen. Selten sind Materialismus und Scheinheiligkeit der Trump-Ära unverstellter auf die Leinwand gekommen.

Einen kleinen Scherz immerhin gibt es, man muss dankbar für ihn sein. Nach einem ersten Einbruch in der Milliardärswohnung möchte die Polizei den Übeltäter Hyde festnehmen, findet jedoch die Handschellen nicht. Da findet Anastasia natürlich im Schlafzimmer etwas Passendes. Gut, dass das Inventar des „Spielzimmers“ wenigstens noch zu irgendetwas zu gebrauchen ist.

Fifty Shades of Grey: Befreite Lust. Regie: James Foley. 106 Min.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen