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„Feinde – Hostiles“ Sie kommen sich näher, natürlich

Der schauspielerisch starke Anti-Western „Feinde – Hostiles“ bleibt etwas vorhersehbar.

Hostile
Mit Haltung: Rosamund Pike und Christian Bale, Foto: Universum

Christian Bale spielte einst Batman und musste dabei sehr guttural grunzen. Nun ist er der einsilbige Held in einem Western von Scott Cooper, der eigentlich nur Anti-Helden kennt. Abgewrackte Kämpfer um ein Land, das längst verteilt ist: Yellow Hawk, der stolze Häuptling, wird vom Krebs zerfressen und will in die alte Heimat zurück. Rosalee Quaid ist die einzige Überlebende einer Siedlerfamilie, die Indianer auf dem Kriegspfad regelrecht abgeschlachtet haben. Und Captain Joseph Blocker, eben jener von Bale dargestellte soldatische Schweiger – er blickt nach einer blutigen Karriere im Wilden Westen unruhig dem Ruhestand entgegen, soll aber zum Abschluss noch eine einzige Heldentat vollbringen. Es wird ihm aufgetragen, Yellow Hawk, seinen Erzfeind, mitsamt Familie nachhause zu eskortieren.

„Feine – Hostiles“ ist kein Western fürs patriotische Gemüt, noch nicht einmal auf zünftige Kampfszenen darf man sich freuen, denn die Gewalt, die Cooper zeigt, ist so extrem und scheußlich, dass man sich entsetzt abwenden möchte. Ein Anti-Western für Anti-Helden eben, wenn es das nicht schon geben würde, könnte man vielleicht überrascht aufmerken. So aber haftet dieser spröden Geschichte um einen Treck durch unwirtliches Gebiet etwas entschieden Epigonales an.

Das liegt am allerwenigsten an den Darstellern. Bale verbirgt seine seelischen Regungen zwar meist erfolgreich hinter einem gewaltigen Schnauzbart, dennoch ist ihm aber anzumerken, welche vulkanische Emotionen in seiner Figur schlummern. Rosamund Pike ist eine im Innersten erschütterte Mutter, die auf der Reise und durch die Hilfe der indianischen Familie um Yellow Hawk zu Haltung und Würde zurückfindet. Vor allem aber Wes Studi in der Rolle des Häuptlings darf eine famose Altersleistung zeigen, statuarisch und lebenssatt, ein mit allen Wassern gewaschener Waldläufer, der unendlich müde geworden ist, ein Weiser im Wilden Westen.

Dass man so einen, zumal, wenn er einem auf Pferdelänge nahekommt, nicht wirklich zum Feind haben kann – wer hätte es gedacht? Ziemlich vorhersehbar kommt es zur menschlichen Annäherung zwischen Blocker und Yellow Hawk, was umso weniger verwundert, als auch der Soldat seine quasi-indianischen Seiten hat: Zumindest pirscht er sich nach Ureinwohner Art durchs Unterholz, und auch den Dialekt von Yellow Hawk beherrscht er ganz gut. 

So liefert Scott Cooper dann doch noch ein paar Szenen für die gute Stimmung, haut sich aber gleich anschließend für diese Sentimentalität selbst auf die Finger und wirft sich erneut ins Schlachtengetümmel. So richtig traut er sich leider nicht, die Feindbilder ins Wanken geraten zu lassen.

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