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„Ein Mann seines Wortes“ Ein Engel auf Erden

Wim Wenders hat einen Porträtfilm über Papst Franziskus gedreht: „Ein Mann seines Wortes“.

Kinostart - Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes
Papst Franziskus im Papamobil und im Wenders-Film. Foto: Universal Pictures/dpa

Die christlichen Kirchen sind bekannt für ihr enges Verhältnis zum Kino. In vielen Ländern unterhalten sie Filmkommissionen, die schon lange ihre vorrangige Aufgabe nicht mehr darin sehen, vor den Gefahren der Schaulust zu warnen. Lieber geben sie Empfehlungen aus; eine der prägnantesten formulierte Papst Johannes Paul II. in nur fünf Worten. Nachdem er sich Mel Gibsons Bibelfilm „The Passion of the Christ“ hatte vorführen lassen, über den der Vatikan wegen Antisemitismus-Vorwürfen lieber den Mantel des Schweigens ausbreitete, lobte er: „Es ist, wie es war.“

Die Lieblingsfilme von Papst Franziskus, wen wundert es, stammen nicht aus Hollywood. Der dänischen Tania-Blixen-Verfilmung „Babettes Fest“ gab er die Ehre, sie als ersten Film überhaupt in einem päpstlichen Lehrschreiben zu erwähnen: Die Köchin, die da einem streng pietistischen Dorf die höchsten Gaumenfreuden bereitet, sah er als ideales Beispiel an für das Thema des Papiers: „Amoris Laetitia“ – die „Freude der Liebe“.

Aus dem Fernsehen soll Franziskus sich dagegen wenig machen. Die Kamera liebt ihn trotzdem. In den Interviews, die er Wim Wenders für seinen Porträtfilm „Ein Mann seines Wortes“ gewährte, scheint zu allen im Kinosaal zu sprechen, ohne dass dabei der Eindruck entstünde, er fixiere ein Objektiv oder halte lediglich eine Ansprache. Technisch liegt das daran, dass er in einen Teleprompter spricht, der ihm seinen Gesprächspartner als Videobild zeigt. Es ist die Methode des Dokumentaristen Errol Morris („Fog of War“), die Wim Wenders hier adaptiert. Doch während Morris auf diese Weise dem einstigen Vietnamkriegs-Architekten Robert McNamara gleichsam hinter die Stirn blicken wollte, interessiert Wenders das Gegenteil: „Mit einem ehrlichen Menschen einen Film zu machen, das ist so viel schöner als mit einem, der Versteckspiele treibt“, erklärte er in einem Interview. „Es ist ja das A und O beim Dokumentarfilm, dass der Protagonist einen ranlässt.“ Nun, andere Filmemacher fänden es wohl auch mal interessant, an Widerstände zu stoßen. 

In den vier Interview-Sessions, die Franziskus dem zum Protestantismus konvertierten, gebürtigen Düsseldorfer gewährte, scheint sich auch der Papst an nichts zu stoßen. Schweres und Leichtes hält sich die Waage, jedenfalls hat es Wenders so geschnitten: Der Trauer und der Empörung über die Missbrauchsverbrechen durch katholische Priester oder dem Zorn über soziale Ungleichheit stehen Bekenntnisse zur Lebensfreude gegenüber. Etwa durch das Morgengebet von Thomas Morus, das ihm jeden Tag nach dem Aufstehen ein Lächeln aufs Gesicht zaubere: „Schenke mir eine gute Verdauung, Herr. Und auch etwas zum Verdauen.“


Hörern von Radio Vatikan ist das natürlich längst bekannt, und wer sogar das Vatikanische Fernsehen CTV über das Internet sieht, kennt auch schon einen Gutteil dieses Films: Ohne dass dieses Fremdmaterial im Film besonders ausgewiesen wäre, nutzt es Wenders über weite Strecken. Die bekannte Dokumentation einer Fußwaschung in einem Gefängnis wirft freilich die Frage auf, ob überhaupt die Persönlichkeitsrechte der Häftlinge gewahrt sind, die hier erkennbar in Großaufnahmen porträtiert sind. Wie uns der Verleih erklärt, habe man lediglich das Material vom Vatikan bekommen.

Für einen Filmemacher, der auch sein eigener Produzent ist, ist das alles ein Geschenk des Himmels. Da der Vatikan Wenders nicht beauftragt hat, sondern lediglich auf ihn zugegangen ist, gehört der Film nun ihm. Und wann kann man einem Dokumentarfilm schon einen so sicheren Erfolg voraussagen? Immerhin 1,285 Milliarden Katholiken gibt es auf der Welt. Nicht zu vergessen all die Millionen Ungläubigen, die den Papst als Verfechter sozialer Umverteilung schätzen. Und das wohl zu recht: Kein Kapitalismuskritiker hat derzeit wohl größeren Einfluss. Sollen die Reichen doch mal sehen, wie sie ins Himmelreich kommen. „Am Jüngsten Tag werden wir uns noch alle wundern“, sagt er an einer Stelle verschmitzt. Auch müsse man keineswegs katholisch sein, um auf Heiligkeit zu hoffen. „Denken wir nur an Gandhi.“ Das sind großartige Worte. Gerne hätte man auch etwas Vergleichbares gehört zum Thema Homosexualität; hier schneidet Wenders das bekannte Gespräch mit Journalisten ein, das der Papst im Jahr 2013 auf dem Heimflug von Brasilien führte. Oder über die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche. 

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