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„Drei Zinnen“ Hölzerner Dialog vor Bergmassiv

2017 gab es weit bessere deutsche Filme als Jan Zabeils Familiendrama „Drei Zinnen“.

Kinostart - "Drei Zinnen"
Was sie noch zu sagen hätten... Lea (Bérénice Bejo ) und Aaron (Alexander Fehling) verschweigen es. Foto: dpa

Das deutsche Kino wird auf 2017 noch gerne zurückblicken. Mit Valeska Griesebachs „Western“ gab es einen überragenden Kunstfilm, mit Claus Räfkes Überlebensdrama „Die Unsichtbaren“ eine echte Innovation im Semidokumentarischen. Es gab einen Oscar-würdigen Politthriller mit Fati Akins „Aus dem Nichts“ und – im Locarno-Wettbewerb und demnächst im Kino – auch noch Jan Speckenbachs makelloses Selbstfindungsdrama „Freiheit“. Selbst der Unterhaltungsfilm machte Spaß mit seinem „Mann aus dem Eis“ und den endlich Abi-reifen Pennälern aus „Fack ju Göhte 3“.

Aber es gab natürlich noch mehr Filme, an denen sich erklären ließe, wo seit Jahren die Probleme des deutschen Films zwischen Kino und Fernsehen stecken. Rick Ostermanns pseudo-politisches Bergdrama „Krieg“ zum Beispiel, das in Venedig lief, aber wohl nicht mehr ins Kino kommen wird. Oder „Drei Zinnen“: Ebenfalls ein Kammerspiel vor Berglandschaft, das schon im Drehbuchstadium seine Probleme offenbart haben muss.

Kaum Stoff für einen Kurzfilm

Was sich über neunzig Minuten streckt, bietet kaum Stoff für einen Kurzfilm. Eine Patchwork-Familie nimmt sich eine Auszeit in den Dolomiten. Die Symbolik des imposanten Gebirgsstocks, der dem Film den Titel gibt, darf der zehnjährige Tristan in Worte fassen: „Das sind ja Vater, Mutter, Kind“.

So einfach ist die Familienkonstellation natürlich nicht: Lea, die Mutter des Jungen, hat ein schlechtes Gewissen, dass sie dessen Vater für ihr neues Glück verlassen hat. Dabei ist der patente Aaron ein Muster-Papa, nur erlaubt sie ihm das nicht. Entsprechend verstört reagiert das Kind, das schließlich – nach einer desaströsen Bergwanderung – den armen Mann im selben Eissee zurücklässt, aus dem dieser es zuvor gerettet hat.

Die Figurenkonstellation ist derart konstruiert, dass sie nach irgendeiner Brechung oder Überhöhung schreit. Stattdessen haben die Dialoge die Konsistenz des fleißig geschichteten Brennholzes vor der Hütte. Woody Allen oder die Coen-Brüder hätten ihre schwarzhumorige Freude daran gehabt. Wenn man es aber ernsthaft angeht, braucht man zumindest eine zwingende Form. Statt eines künstlerischen Blickes eröffnen sich freilich nur Postkartenansichten. Schon bevor die erste Klappe fiel, ist das Bergdrama also wohl abgestürzt. Das Schicksal dieses verdammt dünnen Drehbuchs besiegelte bereits das Casting.

Bérénice Bejo und Alexander Fehling verbindet nichts als ihre Hübschheit, den ganzen Film über glimmt kein Funken zwischen ihnen auf. Vermutlich haben ihre Filmfiguren beim Foto-Quartettspiel einer Dating-App zusammengefunden.

Dazu kommt ein verkrampft spielendes Kind, doch was hätte es auch anfangen sollen mit Dialogen, denen jeder natürliche Ton fehlt? Auch den erwachsenen Schauspielern ist kein Vorwurf zu machen, Alexander Fehling improvisiert sogar noch ein stimmungsvolles Stück auf einem Harmonium, mit dem er sich einen Komponisten-Credit im Abspann verdient. Einen Hauch von Béla Tarr oder Fred Kelemen soll das vielleicht beschwören. Doch von jedweder künstlerischen Radikalität ist diese SWR-Koproduktion denkbar weit entfernt. 

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