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Dokumentarfilm „Die Mondverschwörung“ Mondschein über brauner Soße

Wie so oft, wenn man Neonazis ein Forum bietet, dominieren sie wie im Dokumentarfilm „Die Mondverschwörung“ von Thomas Frickel irgendwann die Szene. Dabei fehlt dem Film eine Struktur, die Zusammenhänge deutlich werden lässt.

Das beste Versteck für rechtsextremes Gedankengut, man ahnte es lange, ist der Esoterik-Buchladen um die Ecke. Was immer dort in den Regalen steht – es kommen ohnehin kaum Skeptiker vorbei, um es zu bemerken. In seinem Film „Die Mondverschwörung“ schickt Thomas Frickel den neugierigen Reporter eines kleinen amerikanischen Kabelsenders, der keine Schwellenängste kennt: Dennis Mascarenas.

Zu dem vielen Unglaublichen in diesem Film gehört zunächst einmal dieser Protagonist. Der stets freundliche und etwas korpulente Mascarenas ist so echt und dennoch irreal wie die Menschen, die er trifft: Martin Jürgens etwa, der auf Grund eines geerbten Dokuments von Friedrich dem Großen den Besitz des Mondes für sich reklamiert. Ein Vertreter der „Ariosophie“ erzählt von einer „jüdischen Weltverschwörung“ gegen die „Nordvölker“, und davon, dass man Angela Merkel in den USA mit Hilfe von Plutonium zur Jüdin umgepolt habe.

Zu allem nickt der Reporter artig, der schon in Frickels früherem Film „Deckname Dennis“ die Hauptrolle spielte, interessiert mit dem Kopf. Doch wie so oft, wenn man Neonazis ein Forum bietet, dominieren sie irgendwann die Szene. Und wirken durch die arglose Form der Begegnung selbst ein gutes Stück verharmlost. Viel wichtiger wäre jetzt ein Überblick: Wie viel Geld wird tatsächlich auf dem Buchmarkt mit dem gefährlichen Gedankengut erwirtschaftet? Sind auch bekannte Verlagshäuser unter den Profiteuren?

Doch in der episodischen Struktur dieses Films fehlt eine Struktur, die Zusammenhänge deutlich werden ließe. So weit sich Frickel in imponierender Kleinarbeit vorgearbeitet hat, so wenig kommt er doch auf den Punkt. Darin könnte immerhin eine noble Absicht liegen: Der Propaganda nicht mit Propaganda beikommen zu wollen wie das Vorbild Michael Moore.

Die Mondverschwörung, Regie: Thomas Frickel, D 2010, 95 Minuten.

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