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„David Lynch: The Art Life“ Lynch in ungeschönter Nahaufnahme

Der Kinofilm „David Lynch: The Art Life“ nähert sich dem Filmemacher, Maler und Musiker behutsam an und zeigt auch die privaten Seiten des Künstlers.

David Lynch
David Lynch, Künstler. Foto: Jason S / nfp / oneblackarm films

Wer dem Filmemacher, Maler und Musiker David Lynch begegnet und erwartet, sogleich ins Auge jener Finsternis zu blicken, die seinen Werken meistens innewohnt, erfährt oft das genaue Gegenteil. Mit unkompromittierbarer Klarheit formuliert er meist aufbauend klingende künstlerische Maximen, als wolle er jeden ermutigen, selbst so ein kompromissloser Künstler zu werden. So steinig dieser Weg ist.

Wenn man Lynch nur lange genug zuhört, wie es der Filmemacher Jon Nguyen jetzt gemacht hat, erhält man gleich zweierlei: eine Art Handbuch für Künstler und eine überaus ehrlich formulierte Autobiographie. „Wenn man etwas anfängt, ein Bild zum Beispiel, ist man mit Ideen aus der Vergangenheit konfrontiert“, fasst Lynch den Anteil persönlicher Geschichte in der Arbeit zusammen, „selbst wenn es neue Ideen sind, die man hat, kann es sein, dass die Vergangenheit sie einfärbt“.

Einer der schönsten Künstlerfilme

Tatsächlich finden sich bereits die frühesten Erinnerungen an Kinderspiele in fast jedem Lynch-Film wieder. „Meine Eltern gruben im Garten ein Loch unter einem Baum und schütteten Wasser hinein. Es entstand ein herrlicher Schlamm zum planschen und es war so wunderschön. Ansonsten spielten wir Krieg mit selbstgebastelten Pistolen aus Stöcken, der Krieg war ja noch nicht lange vorbei.“ Kinderzeichnungen von Pistolen unterstreichen dieses beunruhigende Bildthema, das wie alles in diesem Kosmos völlig selbstverständlich wirkt. Und dann war da dieser entscheidende Moment, in dem das Kind fasziniert eine nackte Frau beobachtete, die verwirrt über die Straße lief.

Nach 90 Minuten, in denen man Lynch malen und erzählen sieht, hat sich der wunderbare Dokumentarfilm „The Art Life“ erst zu jenem Punkt in seinem Leben vorgearbeitet, an dem er seinen ersten langen Kinofilm „Eraserhead“ drehen kann. Ebenso leicht, erzählt Lynch, hätte nichts aus diesem Künstlerleben werden können.

In endloser Dankbarkeit erzählt er von frühen Förderern wie dem Vater eines Spielkameraden, der selbst Künstler war und erkannte, dass die Hingabe des Zehnjährigen an seine Bilder etwas Besonderes war. Und das wiederum in Lynchs eigenem Elternhaus vermitteln konnte. Ähnlich erging es dem darbenden jungen Kurzfilmregisseur später mit einem einzelnen Mitglied einer Förderinstitution. Um ein Haar, glaubt Lynch, hätte er sich für einen anderen Beruf entscheiden müssen und die Kunst an den Nagel gehängt. Stattdessen aber gelang es ihm dann, mit „Eraserhead“ etwas zu schaffen, das er noch immer staunend beschreibt, als wäre das Kino gerade erst erfunden worden: „Ein bewegtes Bild. Mit Ton!“

Dieses Staunen überträgt sich in „The Art Life“, einem der schönsten Künstlerfilme, von Anfang bis Ende.

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