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Danielle Darrieux Grande Dame und Wirbelwind

Mit hundert Jahren ist Danielle Darrieux gestorben, einer der größten französischen Filmstars. Der Nachruf.

Danielle Darrieux
Danielle Darrieux in den Saint-Maurice Studios. Foto: afp

Jahrzehnte bevor es eine „BB“ gab, kannte man bereits „DD“: Noch im vergangenen Mai erhoffte man sich bei den Festspielen in Cannes einen Blick auf die älteste Grande Dame des französischen Films, aber dann fehlte sie bei der Aufführung von „Madame de“. Ein Fest war es doch: Nicht nur eine neue Restaurierung des Max-Ophüls-Klassikers wurde da gefeiert, sondern auch der hundertste Geburtstag von Danielle Darrieux – dem nun wohl wirklich letzten großen Star der 30er und 40er Jahre.

85 Jahre dauerte ihre Filmkarriere da schon an, noch mit 99 lieh sie ihre Stimme einem Kurzfilm. Wie schon ihr letzter großer Filmerfolg, „Persepolis“, eine eindrucksvolle Sprechrolle gewesen war: In Marjane Satrapis autobiographischer Migrationsgeschichte hatte sie die Großmutter der jungen Iranerin gesprochen und dabei Filmfans ein besonderes Lächeln entlockt.

Denn die Rolle ihrer Tochter gehörte schon zum vierten Mal Catherine Deneuve, und stets überdauerten die Ergebnisse ihre Entstehungszeit: Jacques Demys beschwingte, gesungene Komödie „Die Mädchen von Rochefort“ hatte 1967 ihr Comeback eingeleitet; André Téchinés Drama „Schauplatz der Verbrechen“ an die Qualitäten der Charakterdarstellerin erinnert, zu der dieser einstige Glamourstar gereift war; und François Ozons „Acht Frauen“ hatte ihr 2002 einen silbernen Berlinale-Bären eingetragen. Ozons Feier filmischer Frauenpower war einer ihrer größten Erfolge, allein in Deutschland fand das turbulente Comedy-Drama mehr als eine Million Zuschauer. Siebzig Jahre lagen da bereits die Anfänge der Karriere dieses frühen Tonfilmstars zurück.

1931 hatte der Österreicher Wilhelm Thiele die 14-Jährige für die Gesellschaftskomödie „Le bal“ entdeckt, drei Jahre später gaben ihr die Freunde Robert Siodmak und Billy Wilder die ersten Hauptrollen in romantischen Komödien. Siodmak besetzte sie in „La crise est finie“ als Star einer gefeuerten Schauspieltruppe, Wilder entlockte der 17-Jährigen den gleichen spontanen Charme als professionelle Autodiebin: Die herrlich-unmoralische Komödie „Mouvaise graine“ ist in Deutschland noch zu entdecken. 

Doch Danielle Darrieux fühlte sich ebenso gut ins Pathos schwelgerischer Kostümfilme wie „Mademoiselle Mozart“ oder „Mayerling“, wo sie neben dem Weltstar Charles Boyer die weibliche Hauptrolle spielte. Eine Einladung nach Hollywood ließ nicht lange auf sich warten. Neben Douglas Fairbanks junior spielte sie in der Screwball-Komödie „The Rage of Paris“ einmal mehr die unbeirrbare Lebenskünstlerin, den „Wirbelwind aus Paris“, wie der deutsche Titel zu verraten wusste.

Danielle Darrieux verkörperte einen neuen Star-Typus, den der Tonfilm hervorgebracht hatte – selbstbewusste, dynamische Frauen, deren Schönheit auch ohne pathetischen Sockel zu bewundern war und der Komik nicht im Wege stand. Mit den Jahren verfeinerte sie ihre Ausstrahlung, was sie zum idealen Star für die schwelgerischen Nachkriegsfilme von Max Ophüls machte, in denen sie ihre schönsten Rollen spielte: „Der Reigen“, „Plaisir“ und „Madame de“, es ist ein Trio von Meisterwerken, unsterblich wie der Star in ihrer Mitte, Danielle Darrieux. 
Am Dienstag starb die Hundertjährige, der Star von über hundert Filmen, in Bois-le-Roi (Eure) bei Paris.

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