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„Bohemian Rhapsody“ Kein Film-Champion

Bryan Singers „Bohemian Rhapsody“ fasst Freddie Mercurys Glanz und Glorie nicht wirklich.

Queen
Die Queen der frühen Jahre: John Deacon (Joe Mazzello), Roger Taylor (Ben Hardy), Freddie Mercury (Rami Malek), Brian May (Gwilym Lee). Foto: 2018 Twentieth Century Fox

Warum nur gab es zur Glanzzeit der Gruppe keinen Queen-Film? Die Welt hätte ihn wirklich gebrauchen können. 

Selbst Abba drehten „The Movie“, damals viel gescholten - heute möchte man es nicht mehr missen. Es gab sogar „Kiss – von Phantomen gejagt“ – ein angemessen trashiges Grusical der Hard-Rocker. David Bowie war zeitweilig im Kino präsenter als auf Platte. Nur Queen, deren epische Ballade „Bohemian Rhapsody“ 1975 nicht nur dem blühenden Genre des Glamrock die Krone aufsetzte, sondern als erstes modernes Musikvideo Fernsehgeschichte schrieb, versäumten diesen entscheidenden Schritt in die Audiovisualität.

Hauptdarsteller Rami Malek sieht Mercury nicht ähnlich 

Wenigstens in der ersten halben Stunde wirkt „Bohemian Rhapsody“ wie das Imitat dieses Queen-Films, den es nie gegeben hat. Es hat etwas vom rohen, ungeschönten Look englischer Sozialdramen jener Zeit, wenn ein selbstbewusster junger Mann sein entscheidendes Vorsingen auf einem Parkplatz absolviert. 

Freddie Mercury heißt da noch Farrokh Bulsara. Er hat den denkbar besten Moment gewählt, als er sich Brian May und Roger Taylor vorstellt – erst ein paar Minuten zuvor haben sie den Frontmann ihrer Band gefeuert. Zunächst äußern sie noch Bedenken wegen der vorstehenden Zähne des Bewerbers, doch dann geht sein Tenor durch Mark und Bein. 

Man kann nicht behaupten, dass Hauptdarsteller Rami Malek seinem Rollenvorbild wirklich ähnlich sieht. Dennoch schaut man ihm gerne zu; es ist vor allem das Selbstvertrauen, diese unfehlbare Lust auf das Rampenlicht, die er an Mercury trifft. Wer konnte es mit seiner Stimmgewalt aufnehmen, abgesehen vielleicht von seiner vor kurzem verstorbenen Duett-Partnerin Montserrat Caballé? 

Bob Geldofs legendäres „Band Aid“-Konzert 

Leider kommt dieser Film auch in zwei Stunden und vierzehn Minuten nie wirklich weg von dieser Parkplatzszene. Alles an ihm sieht eine Spur zu klein aus für den Geschmack eines Freddie Mercury, insbesondere der legendäre Wembley-Auftritt bei Bob Geldofs „Band Aid“-Konzert 1985. Computeranimierte Massen bejubeln da die Performance, der in dieser Filmerzählung eine besondere Bedeutung zukommt. Wie die Heimkehr des auf Solo-Pfaden verlorenen Sohns ist diese kleine Reunion hier zelebriert. Dabei wäre eine historisch halbwegs adäquate Inszenierung das Mindeste gewesen.

Dies ist die Art Band-Biographie, die Erfolge und Rückschläge so gleichmütig vorüberziehen lässt, wie man durch eine Plattenkiste blättert. Ah, der Labelchef versteht nicht, dass „Bohemian Rhapsody“ auch mit einer Laufzeit von 5:55 Minuten auf eine Single-A-Seite gehört? Na, dann sucht man sich doch besser einen neuen. 

Selbstsucht und falsche Freunde trennen Freddie von seinen Wurzeln? Dann braucht es eben die Dramatik von Bob Geldofs Benefiz-Spektakel, um das Bild wieder gerade zu rücken. Regisseur Bryan Singer fällt es leicht, solche Anekdoten zu kleinen, in sich abgeschlossenen Miniaturen zu inszenieren. Etwa, wenn Brian May – noch einen Fangesang im Ohr – sein „We Will Rock You“ komponiert aus der einfachen Folge: „Stampf-Stampf-Klatsch-Pause“. Doch auf die Tragik, die mit Mercurys HIV-Diagnose in die Geschichte einziehen sollte, reagieren Singer und die Drehbuchautoren Anthony McCarten und Peter Morgan geradezu mittellos. Alles, was ihnen dazu einfällt, ist ein tapferes „The show must go on“. Auch wenn dies Mercurys Maxime gewesen ist – die Geschichte ist einfach nicht komplett ohne das Leid und Elend, das diese schreckliche Krankheit mit sich brachte. Vom historischen Kontext ganz zu schweigen.

Ein angemessener Mercury- und Queen-Film wäre aber so auch noch nicht entstanden. Der wäre erst mit einer angemessenen Repräsentanz von Mercurys Glanz und Glorie gelungen, seiner verwegenen Herzlichkeit, seiner dekadenten Unschuld. Seiner Flamboyanz. Nichts davon ist im Film zu sehen. Oder wo ist denn wenigstens Mercurys interessantes Vorleben, seine Kindheit in Sansibar und Indien? Die Beziehung zu seinen Eltern ist hier kaum der Rede wert und im Wesentlichen reduziert auf die Offenbarung seiner Homosexualität. Immer wieder gibt dieser Film eine Ahnung davon, was er werden könnte – nur, um sich dann lieber im Album eines Lebens ein paar Songs weiter zu blättern.

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