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Berlinale Terror als Teenie-Horror

Wenn Themen mehr interessieren als die Haltung: José Padilhas „7 Days in Entebbe“ und Erik Poppes „Utøya 22. juli.“

"7 Days in Entebbe"
Rosamund Pike und Daniel Brühl in einer Szene des Films „7 Days in Entebbe“. Foto: dpa

Die vielen Geschichten über die Fehlentscheidungen der Berlinale handeln nicht nur von unwürdigen Wettbewerbsbeiträgen, die auch dieses Jahr nicht fehlen. Auch die Ablehnung von Interessantem zählt dazu. Vor drei Jahren zum Beispiel hatte sich der Ungar László Nemes mit seinem experimentellen Holocaust-Drama „Son of Saul“ beworben, das später mehrere Preise in Cannes und einen Oscar gewann.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick lehnte ab, was bei einem polarisierenden Film durchaus verständlich ist; schließlich ist das Kuratieren nun einmal auch Geschmackssache. Dennoch stellt sich der Eindruck ein, dass es konventionell arbeitende Regisseure etwas einfacher haben, hier Aufnahme zu finden, gerade bei politischen Themen – auf die ist man ja schließlich abonniert.

Gleich zweimal wird Terrorismus im Wettbewerb mit den Mitteln des Actionkinos behandelt, was natürlich nicht verboten ist. Steven Spielbergs „München“ über den Massenmord an israelischen Athleten 1972 war zum Beispiel durchaus vielschichtig. Der Brasilianer José Padilha, Gewinner des Goldenen Bären 2008 für sein Polizeidrama „Tropa de Elite“, hat sich nun „7 Days in Entebbe“ vorgenommen – jene anti-israelisch motivierte Flugzeugentführung, die im Sommer 1976 auf dem Flughafen von Uganda endete. Zwei deutsche Angehörige der „Revolutionären Zellen“ hatten sich dazu mit zwei Mitgliedern der „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ verbündet.

Doch wer sich in Padilhas Filme einen neuerlichen Beitrag zur lange nur zögerlich geführten Debatte um das Verhältnis der europäischen Linken zu Israel erhofft, dürfte überrascht sein: Prominent führen die Namen der Darsteller der Deutschen – Rosamund Pike und Daniel Brühl – die Besetzungsliste an, und tatsächlich macht sie der Film geradezu zu tragischen Helden. Schon während der Entführung zweifeln sie an ihrer terroristischen Berufung. Und der von Brühl gespielte Wilfried Böse wird am Ende gar zum Lebensretter der israelischen Geiseln. Die Palästinenser hingegen bekommen weit weniger Leinwandzeit. Bereits an Bord haben sie die Deutschen für die unangenehmeren Aufgaben eingeteilt, später in Entebbe lassen sie die Deutschen gegen ihren Willen Passagiere mit israelischen Pässen von den anderen, die man später freilassen wird, „selektieren“. Das fällt vor allem Böse schwer: „Wir sind Humanisten, keine Nazis“ beteuert der junge Intellektuelle, der eigentlich politischer Buchhändler ist und anders als die als wortkarge Barbaren gezeichneten Palästinenser reichlich Gelegenheit bekommt, seine Motive zu erklären. Als diese ihm beim Beginn der Erstürmung durch die israelische Armee befehlen, mit dem Erschießen der Geiseln zu beginnen, willigt er zum Schein ein, um sie dann – im Angesicht des eigenen Todes – zu retten.

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