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Berlinale Die Unzufriedenen

Bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Berlinale wurde vor allem über deren Gegenwart gesprochen.

Bären
Bären haben, wenn sie auf die Welt kommen, manchmal einen schweren Stand. Foto: afp

Natürlich ist immer noch der Berliner Bär das Maskottchen der Filmfestspiele und zumindest daran dürfte sich bei aller notwendigen Erneuerung nichts ändern, aber Monika Grütters hat schon recht, für die Berlinale von heute stehen vor allem zwei Accessoires: roter Schal und schwarzer Hut. Als die Kulturstaatsministerin bei ihrer Ansprache am Montagabend auf Dieter Kosslick zu sprechen kommt, ohne den nicht anwesenden Festivaldirektor namentlich zu nennen, bekommt sie Szenenapplaus. Das lässt vermuten, dass sich zu der sehr gut besuchten Podiumsdiskussion im Berliner Haus der Kulturen der Welt auch etliche Mitarbeiter aus dem Berlinale-Stab eingefunden haben, die ihrem Chef demonstrativ den Rücken stärken.

Kosslicks Führungsrolle war arg in die Kritik geraten, als 80 deutsche Filmschaffende – darunter Fatih Akin, Maren Ade und Christian Petzold – mit Blick auf eine etwaige Vertragsverlängerung für ihn in einem offenen Brief gefordert hatten, das Festival müsse entschlackt und erneuert werden. Nicht nur der Festivalleiter nahm das persönlich. Die Debatte um die Zukunft der Berlinale wurde rasch zum Fall Kosslick.

Monika Grütters ist eine viel zu gewiefte Politikerin, um dieser Personaldiskussion weiter Raum zu geben. Mit der Ankündigung, eine Findungskommission einzusetzen, die auch auf „externen Sachverstand“ setzen werde, kam sie einer Forderung der Filmleute nach einem offenen Verfahren entgegen. Am Ende kann Kosslick freilich immer noch mit von der Partie sein, vielleicht als Präsident der Berlinale. Denn eines scheint bereits jetzt klar zu sein, die Aufgabenbereiche werden künftig, wie bei großen Festivals üblich, auch in Berlin getrennt werden. Neben eine geschäftlich-repräsentative Leitung tritt ein Kurator oder eine Kuratorin, die das künstlerische Profil verantworten.

Um dieses Profil sollte es in dem zweistündigen Disput gehen, und das ist ja schon kompliziert genug. Der Regisseur und Autor Christoph Hochhäusler, der mit Filmen wie „Milchwald“ und „Die Lügen der Sieger“ der sogenannten Berliner Schule zugerechnet wird, zählt zu den Initiatoren der Berlinale-Petition und hat hier die Chance, etwas genauer zu fassen, was die Filmkünstler überhaupt unter Erneuerung verstehen. Ihr Brandbrief blieb da eher vage. Gemeinsam mit dem Dokumentaristen Thomas Heise hat Hochhäusler ein Impulsreferat vorbereitet, das sie mit verteilten Rollen vortragen, was selten klappt und einer klaren Gedankenführung nicht förderlich ist.

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