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Bärenpost Die Berlinale des Sexfilms

Politfilm? Tierfilm? Kulinarisches Kino? Nein, das war früher. In diesem Jahr geht der Trend klar zu selbstreflexiven Sexfilmen. In jeder Festivalsektion sind welche zu finden.

Die Berlinale hat Berlin wieder im Griff. Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Endlich ist es wieder soweit: Die Berlinale beginnt, das Wetter ist leidlich, Horden von Kritikern hüpfen am Potsdamer Platz hin und her und versuchen, erste inhaltlich leitende Linien im reichhaltigen Festival-Programm auszumachen. Politfilm? Tierfilm? Kulinarisches Kino?

Nein, das war früher. In diesem Jahr geht der Trend klar zu selbstreflexiven Sexfilmen. In jeder Festivalsektion sind welche zu finden: Gleich mehrere Panorama-Beiträge befassen sich mit den Freuden und Gefahren der omnipräsenten Online-Pornografie, etwa „Don Jon’s Addiction“ mit Scarlett Johansson oder der indonesische Film „Something in the Way“, in dem ein Taxifahrer durch die Liebe zu einer Prostituierten seiner Internetsexsucht entkommt.

Der Forums-Beitrag „Portrait of Jason“ berichtet von einem Buhlknaben, der sich sein Gehalt durch die Arbeit auf einem Hundefriedhof aufbessert – zwei Tätigkeiten, die sich aber wohl nur bedingt ergänzen. In „Lovelace“ wird die Geschichte der Porno-Pionierin Linda Lovelace und ihres kinematografischen Hauptwerks „Deep Throat“ erzählt, während Michael Winterbottom sich in „The Look of Love“ mit der Biografie eines britischen Sexmagazinmoguls befasst.

Der Forums-Beitrag „Exposed“ will nach eigener Auskunft die heterosexuelle Geschlechternormativität mit einfallsreich variierten Gruppensexkonstellationen aufbrechen. Der Wettbewerbsbeitrag „Vic + Flo Ont Vu Un Ours“ zeigt zwei reife Lesben bei erotischen Spielen in einer Hütte.

Doch auch dem in der Popkultur derzeit meistgehypeten Sexfilmstil wird gehuldigt: dem „Nunsploitation“-Film der Siebzigerjahre, der sich in den Musikvideos des Witch-House-Genres wieder großer Beliebtheit erfreut. Viele vergessene Meister des Fachs wie Jess Franco („Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne“) oder Joe D’Amato („Kloster der 1000 Todsünden“) sind im Zuge dieses Revivals wiederentdeckt worden – die Berlinale reagiert prompt mit einem Remake des Genreklassikers „Die Nonne“. Und das ist noch nicht alles, in einer Hauptrolle ist hier niemand anderes als Martina „sleazy“ Gedeck zu sehen! Ein Ereignis, dem wir mit großer Erregung entgegenfiebern.

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