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„Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ Szenen eines Lebens

Zum hundertsten Geburtstag hat Margarethe von Trotta Ingmar Bergman porträtiert – und dabei sich selbst.

Ingmar Bergman und Liv Ullmann
Der schwedische Film- und Theaterregisseur Ingmar Bergman und die Schauspielerin Liv Ullmann 1976. Foto: dpa

Am steinigen Strand von Hovs Hallar ist es leicht, einen großen Geist zu beschwören. Hier, im südschwedischen Naturschutzgebiet, hatte in Ingmar Bergmans Filmklassiker „Das siebente Siegel“ ein weißgesichtiger Tod seinen unvergesslichen Auftritt. Es ist eine der ikonischen Szenen der Filmgeschichte, und für Margarethe von Trotta war es auch eine entscheidende Inspiration, selbst Filmemacherin zu werden. In ihrem Dokumentarfilm „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ empfängt sie den Zuschauer an eben jenem ikonischen Spielort und analysiert die große Szene, wie es scheint, aus der Erinnerung. Eingeschnittene Filmbilder illustrieren das Gesagte.

Es ist eine schöne Szene, gern hätte man den ganzen Film mit ihren Reflexionen über Bergmans Werk verbracht. Die Methode, an Originalschauplätzen über Filmwirkungen zu philosophieren, hat schon einmal sehr gut funktioniert, als sie Slavoj Zizek und die Filmemacherin Sophie Fiennes für ihren Essayfilm „The Pervert’s Guide to Cinema“ erfanden.

Leider ist es die einzige Szene, in der von Trotta wirklich findet, was sie sucht. Ihre „Suche nach Ingmar Bergman“ verläuft im weiteren Verlauf des Films eher auf den vertrauten Wegen einer Talk Show. In allen Interviewszenen selbst im Bild, trifft sie sich mit Menschen, die Bergman gut kannten (wie die Schauspielerin Liv Ullman) oder sehr wenig (wie sein Sohn, der Kameramann Daniel Bergman, der sich vor Trottas Kamera wundert, das er überhaupt für ein Interview angefragt wurde).

Es ist bekannt, dass der große Filmemacher nicht viel Zeit mit seinen Kindern verbrachte. Seine Kreativität forderte andere Prioritäten: Allein 1957, als er „Das siebente Siegel“ drehte, schuf er auch noch ein zweites Meisterwerk, „Wilde Erdbeeren“. Daneben inszenierte er zwei gefeierte Theaterproduktionen. Bei seinem Tod 2007 galt er nahezu einhellig als bedeutendster lebender Filmkünstler, erst 2003 hatte er seine psychologische Regieführung noch einmal mit dem Kammerspiel „Sarabande“ unter Beweis gestellt.

Eine heimliche Liebe Bergmans, auch das ist bekannt, galt amerikanischen Fernsehserien – wie auch immer er noch Zeit fand, sie zu sehen. Doch wenn von Trotta ihren Interviewpartner Daniel Bergman sagen lässt, die Serie „Dallas“ habe Bergmans „Szenen einer Ehe“ inspiriert, und das auch noch mit einem Filmausschnitt illustriert, wundert man sich doch: Die US-Serie trat ihren Siegeszug erst fünf Jahre nach Bergmans Sechsteiler von 1973 an, und vermutlich wird umgekehrt ein Schuh daraus: Wer heute die Renaissance der amerikanischen Serienkultur feiert, muss auch den bleibenden Einfluss von Bergmans Fernseharbeit beim Namen nennen.

Immer wieder fällt von Trotta ihren Gesprächspartnern ins Wort, meist um ihnen freundlich recht zu geben oder zu ergänzen, was das alles mit ihrem eigenen Werk und Leben zu tun haben könnte. Tatsächlich zählte Bergman ihren Film „Die bleierne Zeit“ zu einer Gruppe von elf Lieblingsfilmen, denen er 1994 eine Filmreihe widmete. Für die dunklen Seiten in Bergmans Biografie interessiert sich von Trottas Film dagegen nicht, den missbräuchlichen Umgang mit Mitarbeitern oder gar sein Verhältnis zum Nationalsozialismus. 

Als von Trottas Film im vergangenen Mai in Cannes Premiere hatte, folgte er im Programm auf sein denkbares Gegenstück: einen minutiös recherchierten Dokumentarfilm, der es verstand, Licht und Schatten zu einem vielschichtigen Porträt zu verweben. Auch Jane Magnussons Film „Bergman – a Year in a Life“ beginnt mit dem „Siebenten Siegel“, dessen Entstehungsjahr Magnusson rekonstruiert. In komplexen Parallelmontagen wird aus dem kreativen Feuerwerk dieses prägenden Jahres Bergmans gesamtes Werk aufgefächert – ausgehend von seiner einzigartigen Fähigkeit, die eigene Biografie zu fiktionalisieren.

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