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„Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ Der Böse droht mit Schokolade

„Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ von der Augsburger Puppenkiste.

Mathilda und Julebukk
Mathilda und Julebukk beim Wunschzettel einsammeln. Foto: FS/Kiko

Nicht nur die Besucherzahlen für Kinofilme lassen sich statistisch erfassen, sondern auch die Besucher-Zusammensetzung. Siebzig Prozent Erwachsene waren in den Vorstellungen, als im vergangenen Jahr „Die Weihnachtsgeschichte“ in einer Fassung der Augsburger Puppenkiste in den Kinos lief. Der Verleih schloss daraus, dass es vielfach Menschen waren, die das Puppentheater in ihrer Kindheit im Fernsehen gesehen hatten, mit „Jim Knopf“ und anderen berühmten Helden, die also ihre heimelige Seh-Erfahrung nun mit Kindern und Enkeln teilen wollten. Jetzt kommen wieder kleine fadenbewegte Figuren auf die große Leinwand, diesmal nicht mit einem Klassiker, sondern einem modernen Weihnachtsmärchen. Erzählt wird „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ nach einem Buch von Cornelia Funke.

Die Geschichte hat einen spannenden Verlauf, ist bereits für kleine Kinder verständlich, gut in knappen Szenen darstellbar und angenehm von Humor durchrieselt. Der Weihnachtsmann Niklas Julebukk kämpft sich mit seinem Rentier Sternschnuppe durch ein Gewitter und landet in einer Stadt direkt am Schulweg von Kindern wie Ben und Charlotte.

Gemeinsam mit dem Engel Mathilda flunkert er den Kindern zunächst heile Weihnachtswelt vor, bis sich herausstellt, dass nicht nur der Wagen beschädigt ist und das Rentier entwischt. Julebukk selbst befindet sich auf der Flucht vor Waldemar Wichteltod. Der hat die Herrschaft über die Weihnachtswelt an sich gerissen und das heilige Fest in einen Konsumrausch verwandelt. Aus dem netten Julebukk, der keine Spielkonsolen verticken, sondern noch Herzenswünsche erraten möchte, will Wichteltod einen Schokoweihnachtsmann machen.

Da haben die Kobolde Fliegenbart und Ziegenbart schon einigen Grund, Flüche wie „Zipfelzottelige Rentierkacke“ auszustoßen, in einem grimmigen Rap reimen sie vom geldgierigen Wichteltod. Mathilda verliert die gute Laune nicht und singt: „Heute backe ich Plätzle für meine lieben Schätzle“.

Cornelia Funkes Buch, das Kinderträume von weißer Weihnacht, kleinen Geheimnissen und großen Wundern gegen die Kommerzialisierung setzt, erschien bereits 1994 und gehört neben „Hinter verzauberten Fenstern“ längst zu den Vorleseklassikern in der Adventszeit. Ihr Julebukk ist ein junger Mann mit Idealen, ihre Kinder haben mit normalen Problemen zu kämpfen: Bens Eltern wollen in den Weihnachtsferien verreisen, Charlotte ist gerade erst umgezogen und hat noch keine Freunde in der Stadt. 2011 kam die erste Verfilmung in die Kinos, mit Alexander Scheer als Niklas Julebukk, Volker Lechtenbrink als bösem Gegenspieler.

Dagegen wirkt die abgefilmte Augsburger Inszenierung natürlich viel schlichter. Es zeigt sich auch wieder ein typisches Problem der Marionetten: Ben und Julebukk, grundsätzlich freundliche Figuren, lächeln noch in der Angst, weil ihre Münder nicht beweglich sind.

Und doch lebt auch im Guckkastenformat der Zauber der Geschichte. Die altmodische Gemütlichkeit, die Mathildas und Julebukks Heim ausstrahlt, die auch ihren Umgang miteinander prägt, fliegt schneeflockenleicht von der Leinwand in den Saal hinein. Ach ja, auch zu den Erwachsenen.

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