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„Alles Geld der Welt“ Kevin Spacey ist entbehrlich

Der Rauswurf von Kervin Spacey ist ein Glücksfall für den Entführungs-Thriller „Alles Geld der Welt“ von Ridley Scott.

08.02.2018 07:14
Kinostart - "Alles Geld der Welt"
Sechs Wochen vor dem geplanten US-Kinostart ließ Regisseur Ridley Scott alle Szenen mit Kevin Spacey herausschneiden. Foto: dpa

Es ist eine der spektakulärsten Entführungsgeschichten: Im Juli 1973 wurde der Milliardärs-Enkel John Paul Getty III. in Rom von Mitgliedern der kalabrischen Mafia verschleppt. Zwei Tage später erhielt seine Mutter Gail einen ersten Anruf, in dem die Kidnapper 17 Millionen Dollar Lösegeld forderten. Fünf Monate blieb der damals 17-Jährige in der Hand der skrupellosen Entführer, sein steinreicher Großvater - der Ölmilliardär Jean Paul Getty - weigerte sich zunächst, das Lösegeld zu bezahlen. Erst als die Kidnapper dem jungen Getty das rechte Ohr abschnitten und es einer Zeitung zuschickten, lenkte der Großvater ein und zahlte schließlich rund 2,8 Millionen Dollar.

Das ist starker Stoff für den Thriller „Alles Geld der Welt“ des britischen Regie-Stars Ridley Scott („Alien“, „Blade Runner“, „Der Marsianer“, „Prometheus“). Doch für den 80-jährigen Filmemacher kam das Drama, kurz nach Fertigstellung des Film im November, noch dicker. Ein schlagzeilenträchtiger Skandal um Vorwürfe mehrer Männer gegen Schauspieler Kevin Spacey wegen sexueller Belästigung veranlasste Scott zu einem radikalen Schritt.

Sechs Wochen vor dem geplanten US-Kinostart schnitt er alle Szenen mit Spacey (58) in der Rolle des Ölmilliardärs Jean Paul Getty heraus und drehte sie kurzerhand mit Christopher Plummer (88) nach. „Der ganze Umstand ist traurig“, erklärte Oscar-Preisträger Plummer („Beginners“), doch nun wollte er der Rolle seinen eigenen Stempel aufdrücken.

Pech für Spacey, aber Glückssache für den Film und die Zuschauer. Plummer ist die perfekte Besetzung, altersmäßig und in seiner stoischen Verkörperung des Geld bessenen, geizigen Öl-Magnaten, der damals als reichster Mann der Welt zurückgezogen in seinem englischen Schloss wohnte. Sein in nur wenigen Tagen abgedrehter Auftritt brachte dem kanadischen Star jetzt seine dritte Oscar-Nominierung ein. Mit 88 Jahren ist er der älteste nominierte Schauspieler in der Geschichte der Oscars, die am 4. März zum 90. Mal verliehen werden.

Es ist nur eine Nebenrolle, doch in „Alles Geld der Welt“ ist Getty der Angelpunkt, um den sich alles dreht. Man nimmt es Plummer ab, wenn er mit eiskalter Miene verkündet: „Ich habe 14 Enkel. Wenn ich nur einen Penny Lösegeld zahle, habe ich 14 entführte Enkel“. Er ist ein grimmiger Geizhals, der im Hotelzimmer seine Sachen selber wäscht und die Gäste in seinem Herrenhaus für ihre Telefonate zahlen lässt. Nur seine Unternehmen und seine Kunstsammlung bedeuten ihm etwas, Menschen wollten ihm nur das Geld aus der Tasche ziehen. „Darum liebe ich Dinge, sie enttäuschen nie“, raunzt Plummer mit versteinertem Gesicht.

Die wenigen Szenen mit Plummer sind die Höhepunkte in Scotts dichtem Geflecht von Thriller, Krimi und Familiendrama. Nur die vierfach Oscar-nominierte Schauspielerin Michelle Williams („Brokeback Mountain“, „Manchester by the Sea“) kann Plummer das Wasser reichen. In der Rolle der verzweifelten Mutter des entführten Jungen bettelt sie ihren Ex-Schwiegervater um Geld an, konfrontiert ihn wütend, sucht unermüdlich nach einer Lösung.

Mark Wahlberg spielt einen von Getty bezahlten Sicherheitschef, der den entführten Jungen aufspüren soll. Immer mehr legt er sich mit seinem Boss an, schlägt sich auf die Seite der Mutter, schützt sie vor dem Ansturm der Paparazzi und der Polizei. Doch an der Seite von Williams verblasst Wahlberg völlig.

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