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„Alibi.com“ Alle Männer lügen und betrügen

„Alibi.com“ ist Philippe Lacheaus neue Komödie. Zu sehen bekommt man vor allem spätpubertären Humor.

Alibi.com
Die aufrechte Flo und der lügnerische Grégory. Foto: StudioCanal Filmverleih/dpa

Das Genre Familienkomödie hat seit etwa zehn Jahren in Frankreich Konjunktur, spätestens seit „Willkommen bei den Sch’tis“, allerspätestens aber seit „Ziemlich beste Freunde“. Diese Filme werden gern nach Deutschland exportiert und kommen zumindest teilweise hier auch gut an, wie es „Monsieur Claude und seine Töchter“ von Philippe de Chauveron bewies. Filmregisseur Philippe Lacheau hat sich in seiner neuen Komödie der Lüge als Thema angenommen. In „Alibi.com“ geht es um eine Agentur mit diesem Namen, die, Sie ahnen es schon, Menschen aus der Patsche hilft, indem sie ihnen ein Alibi gibt. Lacheau selbst spielt Greg, der den Lügenladen mit seinen Kollegen Mehdi (Tarek Boudali) und Augustin (Julien Arruti) führt. 

Zu 90 Prozent kreuzen Männer auf, die geschickt ihre Frauen betrügen wollen, oder sie sonst irgendwie übers Ohr hauen möchten. Dann verliebt sich Greg in die schlaue Flo (Elodie Fontan); und Flo hasst, in einem unheimlich unvorhersehbaren Twist, Betrüger. Deswegen verheimlicht Greg ihr natürlich, was er beruflich macht. In einer weiteren, vollkommen überraschenden Wende ist dann Flos Vater Gérard (Didier Bourdon) einer von Gregs besten Kunden. Daraufhin folgt ein filmisches Flipperspiel durch alle möglichen brenzligen Situationen, die daraus entstehen, dass jeder jeden und vor allem jede anlügt. Die Agentur Alibi.com muss dafür sorgen, dass nichts auffliegt. 

Solche Unternehmen gibt es tatsächlich. Aber diese Komödie schafft es in überhaupt nicht, diese zwischenmenschliche, auch gesellschaftliche Heuchelei lustig darzustellen. Bis auf wenige Momente ist einem eher zum Weinen zumute. Wie Lacheaus vorheriger Film „Babysitting“ und dessen Fortsetzung lebt auch „Alibi.com“ vom spätpubertären Witz. Es geht im Grunde genommen um Männer, die Quatsch machen, um Babys im Erwachsenenlook. Lacheau infantilisiert seine männliche Hauptfigur vollkommen: Greg schert sich hauptsächlich darum, ob er nun Jean-Claude van Dammes ultimativen Kick aus „Bloodsport“ imitieren kann. Gérards Liebhaberin Cynthia Bellini (Nawel Madani) hat ihrerseits große Brüste und wenig Hirn. 

Die einfältigen Figuren, kombiniert mit der angeberischen Inszenierung, die zwischen überdrehten Drohneneinsätzen und Slow-Motion-Szenen oszilliert, machen „Alibi.com“ zu einem nervigen, klischeehaften Film. Der letzte Funken Sprachwitz, der in der französischen Originalsprache vielleicht noch vorhanden sein mag, geht durch die deutsche Synchronfassung verloren. Oder hat die Autorin vielleicht einfach keinen Humor? Jedenfalls fanden die Franzosen den Film so gut, dass sie in Scharen hingingen: 3,6 Millionen von ihnen sahen diesen Film.

Doch darf man auch an erfolgreiche Komödien Ansprüche stellen: Zum Beispiel, dass sie sich auf kluge und lustige Weise mit der „condition humaine“ auseinandersetzen. Dabei geht es weniger um politische Korrektheit in Genderfragen als vielmehr darum, vielleicht beim Filmemachen nicht ganz so tief unter Niveau zu sinken. Wenn dann im dritten Akt die Pseudo-Moral ins Spiel kommt, nämlich die Erkenntnis, dass die Wahrheit doch besser ist als die Lüge, hat man schon längst abgeschaltet. 

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