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Alexander Payne „Wir sind machtlos“

Alexander Payne spricht im Interview über seinen neuen Film „Downsizing“, Donald Trump, Moral und Moralismus.

Szene aus „Downsizing“
Nur zuweilen wird man darauf gestoßen, wie klein die sind: „Downsizing“, hier mit Udo Kier, Matt Damon und Christoph Waltz. Foto: Paramount

Mr. Payne, wenn Sie in Los Angeles leben ...
Na, ich bin da so hängengeblieben, nach dem Filmstudium...

... kennen Sie vielleicht den Bildhauer Robert Therrien, der gigantische Möbel baut? Im Museum The Broad liebt es das Publikum, sich davor ganz klein zu fühlen. Verstehen Sie den Reiz des Größenwechsels?
Wenn ich aus dem Flugzeugfenster oder von einem Wolkenkratzerfenster hinabschaue und all die kleinen Leute sehe, denke ich manchmal, ich könnte euch zerquetschen mit meinem Fuß. Ja, ich glaube schon, dass uns dieser Perspektivwechsel sehr fasziniert. Je mehr wir zum Beispiel über das Weltall wissen, desto winziger fühlen wir uns auf diesem winzigen Stückchen Staub namens Erde.

Damit beschreiben Sie fast schon die Schlussszene eines der berühmtesten Filme über Verkleinerung, „Die unglaubliche Geschichte des Mister C“, Jack Arnolds B-Film von 1957. War das eine Inspiration?
Nein, kein Film über Verkleinerung war für „Downsizing“ ein Vorbild. Die Leute denken an „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“, aber den habe ich nicht mal gesehen. Hat mich damals so wenig interessiert wie heute. Ich habe mir Ausschnitte angesehen, um die Effekte zu studieren aber das ist auch alles. Aber unabhängig davon mag ich Jack Arnolds Film total gerne, ich habe sogar eine wunderschöne 16-Millimeter-Kopie davon in meiner Sammlung. Was ich von diesem Film gelernt habe, ist, dass man überhaupt keine guten Spezialeffekte braucht. Vielleicht sind sogar schlechte Effekte ausreichend, wenn die Geschichte und die Figuren interessant sind. Dieser Film hatte einfach eine richtig gute Idee. 

Es liegt ja auch eine Poesie in der Primitivität von Effekten. In Ihrem Film gibt es lange Szenen, in denen überhaupt keine Effekte vorkommen, weil einfach alle Menschen gleich klein sind.
Genau. Es gibt diese Szene, wo sich Matt Damon aus dem Tunnel rettet, und es gibt eine Explosion, aber sie ist so winzig, dass man darüber lacht. Ich wollte, dass die Leute vergessen, dass die Menschen klein sind und ab und zu mal dran erinnert werden. 

Sie nutzen die phantastische Idee der Verkleinerung für eine Satire über den Zustand der westlichen Zivilisation. Wollten Sie sich auf die Spuren von „Gulliver’s Reisen“ begeben?
Wissen Sie, dass ich das Buch nicht mal bis zu Ende gelesen habe? Ich fand das schrecklich langweilig. 

Jedenfalls haben Sie wie Jonathan Swift eine ganze Reihe gesellschaftlicher Probleme reingepackt: Die Monotonie von Gated Communities, soziale Ungleichheit, die Flüchtlingskrise oder den Moralismus. Wie haben Sie es geschafft, das alles so plausibel zusammenzufügen?
Na, wenn Sie manche amerikanischen Kritiker lesen, habe ich das ja anscheinend nicht so gut geschafft. Aber ehrlich gesagt: Ich fand es schon eine sehr gute Idee mit der Verkleinerung und war ziemlich gierig darauf, was man alles damit anstellen konnte. Mir ist Science Fiction eigentlich ziemlich egal, aber es ist ein tolles Prisma, um auf die Gesellschaft zu blicken und einige ihrer Übel. Aber nicht so heftig wie es Michael Moore oder Oliver Stone tun würden. Wir betrachten die Welt auch nicht durch ein Mikroskop, sondern ein Prisma. Gut, dass Sie die Moral erwähnen: Zum einen erzählen wir eine Geschichte der Welt, dargestellt durch die idealistischen Norweger, und des Scheiterns ihres Idealismus ...

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