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„5 Zimmer Küche Sarg“ Da spritzt das Blut

Einblicke in den Alltag einer Vampir-WG: Das Mockumentary „5 Zimmer Küche Sarg“. Hier nehmen die Regisseure die Blutsaugerfolklore durchaus ernst.

30.10.2014 14:19
Cornelia Geissler
Kinostart - "5 Zimmer Küche Sarg"
Hausmusik in der Blutsauger-WG: Vladislav (Jemaine Clement), Deacon (Jonathan Brugh) und Viagoin (Taika Waititi, von links). Foto: dpa

Dracula ist eine Legende, Edward Cullen eine Erfindung von Stephenie Meyer, Stefan und Damon Salvatore leben nur in der Fernsehserie „Vampire Diaries“. Über die blassen Blutsauger wird viel Widersprüchliches berichtet. Aber obwohl sie in den vergangenen Jahren wieder schwer in Mode gekommen sind, ist der wahre Alltag von Vampiren (und seine, nun ja, menschlichen Probleme) noch immer wenig erforscht. Insofern dürfen deutsche Kinogänger sich glücklich schätzen, nun endlich auch „5 Zimmer Küche Sarg“ sehen zu dürfen, angeblich nachts in einer Vampir-WG gedreht.

Während der Originaltitel „What We Do in the Shadows“ – etwa: Was wir im Dunklen treiben – auf das Geheimnisvolle abzielt, betont die deutsche Version die Normalität dieses Lebens. Der Titel erinnert an den Spielfilm der Brüggemann-Geschwister „3 Zimmer Küche Bad“, der vom Wohnen und Leben heutiger Berliner Studenten erzählt.

Die Vampir-WG befindet sich in einer Villa im neuseeländischen Wellington und wird nur im Dunkeln verlassen: Viago, der Dandy, Deacon, der Rebell, Vladislav, der Stecher, und Petyr, der mit seinen 8000 Jahren Dienstälteste, scheuen ihrer natürlichen Konstitution wegen das Tageslicht. Sie sehen aus wie aus dem Vampir-Bilderbuch, wie die ärmeren Verwandten der Figuren aus „Bram Stoker’s Dracula“.

Der Film zeigt, wie sie miteinander umgehen, was sie neben der speziellen Ernährungsweise für Gewohnheiten haben. Im Vergleich zu einer WG mit normalsterblichen Bewohnern wirkt das Interieur altertümlich, aber die Bewohner sind ja auch schon älter. Da kann es schon mal passieren, dass einer sich fünf Jahre lang um den Abwasch drückt. Doch dann schleppt Petyr den frisch gebissenen Nick an und dessen Freund, einen Computerexperten. Die neue Zeit hält Einzug.

Der grundsätzliche Unterschied zu den meisten Vampir-Filmen der letzten fünfzig Jahre ist ein stilistischer. Bei „5 Zimmer Küche Sarg“ handelt es sich weder um einen Spielfilm noch um eine Dokumentation historischer Spuren in Transsylvanien, sondern um ein Mockumentary, also einen komplett fiktiven Dokumentarfilm.

Die Regisseure Taika Waititi und Jemaine Clement, die beide auch mitspielen, machen sich und dem Publikum einen Spaß daraus, die Blutsaugerfolklore ernst zu nehmen. Der Witz ihres Films entsteht vor allem aus seiner zur Schau gestellten Gewissenhaftigkeit. Immer wieder sprechen die Akteure so in die Kamera, als würden sie einem Interviewer Rede und Antwort stehen. Mehrfach erblickt man sie so, als würde man sie gerade bei alltäglichen Verrichtungen beobachten. Da spritzt das Blut. Wiederholt präsentieren sie sich mit ihren sonderbaren Eigenheiten: So stellt sich einer vor einen Spiegel, um vorzuführen, dass man ihn darin nicht sehen kann; ein anderer geht in die Luft. Und als dann mit dem Jungvampir und seinem Computer-erfahrenen Freund Konfliktpotenzial in die Villa kommt, wird die Kamera zum unbestechlichen Richter.

Die neuseeländische Komödie erheiterte schon in der Berlinale-Sektion „Generation“ das Publikum – natürlich nur in der Reihe für die abgehärteten Zuschauer 14plus.

5 Zimmer Küche Sarg (What We Do in the Shadows), Neuseeland/USA 2014. Regie & Drehbuch: Taika Waititi, Jemaine Clement. 86 Minuten.

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