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„3 Tage in Quiberon“ Fetzen von Intimität und ihre Inszenierung

Emily Atefs elektrisierendes Biopic „3 Tage in Quiberon“ kommt dem Mythos Romy Schneider erstaunlich nah.

"3 Tage Quiberon"
Robert Lebeck (Charly Hübner) gelingen berührende Aufnahmen von Romy Schneider (Marie Bäumer) in einer Szene des Films "3 Tage Quiberon". Der Film kommt am 12.04.2018 in die deutschen Kinos. Foto: dpa

Achtzig Jahre wäre Romy Schneider im kommenden September alt geworden.
Viele Scheinwerfer werden den erwartbaren Erinnerungsreigen beleuchten, doch den Anfang macht erst einmal ein intimes Streiflicht von einem Biographiefilm, der sich der verwundbaren Seite einer zugleich bewundernswert durchsetzungsfähigen Schauspielerin widmet. Wie nur wenige weibliche Filmstars steht Romy Schneider bis heute für die Chancen und Grenzen einer künstlerischen Autonomie, die sie sich ganz allein erstreiten musste. Diese künstlerische Freiheit gab es nicht umsonst, und jede Annäherung an Romy Schneider wird den Preis, den sie dafür zahlte, anders bemessen.

Die deutsch-französisch-iranische Regisseurin Emily Atef entschied sich für eine hauchdünne Lebensscheibe, drei Tage eines Kuraufenthalts, an denen die damals 42-Jährige den Journalisten Michael Jürgs und den Fotografen Robert Lebeck für ein „Stern“-Interview empfing. Wie so oft in ihrem Leben fütterte Schneider das Monstrum Öffentlichkeit mit Fetzen von Intimität, die sie sich dafür förmlich aus dem Leib reißen musste.

Es ist ein Kammerspiel über einen potentiell unmoralischen Tauschhandel, in dessen schuldhafte Verstrickungen man als Zuschauer förmlich hineingezogen wird: Wo wird der Journalist seine Grenzen setzen in seiner Gier nach Nähe, die doch auch die unsere, die der Öffentlichkeit ist? Und wird er Romy Schneiders Vertrauen am Ende durch Diskretion belohnen? Oder ist auch dieser Film am Ende gar eine letzte mediale Ausweidung nur der zerbrechlichen Diva?

Noch immer strahlt ihr Glanz auf uns zurück

Wenn wir Emily Atefs Film gleich von Anfang an vertrauen, dann weil ihr Filmstil selbst soviel Intimität besitzt. In dem heute legendären Interview von Quiberon machte Schneider ihre Depression öffenlich und bekannte sich zu den Gründen ihrer „Flucht“ nach Frankreich. Atef hat sich den unprätentiösen Stil des Magnum-Fotografen, dem Charly Hübner ein warmherziges Denkmal setzt, zum Vorbild genommen, doch ihr Kammerspiel ist alles andere als ein Re-Enactment. Man ist schnell eingenommen von der Schwarz-Weiß-Fotografie, den weiten Räumen, die sie ihren Schauspielern zur Wirkung lässt, und vor allem dem spröden Glanz, den sie Hauptdarstellerin Marie Bäumer erlaubt. Endlich spielt die Schauspielerin die Rolle, die man ihr wegen der frappierenden Ähnlichkeit so oft angetragen hat, und sie ist ihr mehr als gewachsen. Es ist förmlich so, als spiele sie sich einen Fluch vom Leibe.

Ein besonderer Kunstgriff ist die Erfindung einer weiteren Frauenrolle, Romy Schneiders Freundin Hilde Fritsch. Darstellerin Birgit Minichmayr macht daraus eine schillernde zweite Hauptfigur, eine Mischung aus Fan und Vertrauter: Dass auch in ihrer Sorge um die Freundin ein parasitäres Element von Ruhm aus zweiter Hand aufscheint, vergrößert die Einsamkeit Romy Schneiders noch einmal. Noch heute ist es kaum möglich, über diese große Künstlerin zu schreiben, ohne sie zugleich in ihrer Opferrolle festzuschreiben. Genau darüber weist der Film dank seiner nuancierten Zeichnung am Ende hinaus. Und noch immer strahlt Romy Schneiders Glanz dabei auf uns, die hoffentlich etwas einfühlsamere Nachwelt, ganz unverdient zurück.

Doch wer Romy Schneiders anhaltende Faszination allein aus ihren tragischen Lebensumständen erklären möchte, der oft unerfüllten Suche nach menschlicher wie künstlerischer Anerkennung, wiederholt das Missverständnis. Denn wie bei allen großen Filmstars liegt auch das Geheimnis von Romy Schneiders Faszination im Zusammentreffen von Talent und Charisma mit einer Kamera.

Robert Lebeck schwärmte zeitlebens davon, wie großzügig Romy Schneider ihn mit ihrer Gegenwart beschenkte, nachdem sie spontan Vertrauen zu ihm gefasst hatte. Selbst als sie sich beim Posieren in einer Felslandschaft den Fuß gebrochen hatte, belohnte sie ihn noch mit einer weiteren privaten Session am Krankenlager.

Der letzte Akt des Films feiert Romy Schneiders Talent, sich selbst fotografisch zu inszenieren. Diese außerordentliche Fähigkeit ist wahrscheinlich das am wenigsten beachtete ihrer vielen Talente. In den anspruchsvollen Bildserien der seriösen Magazine entdeckte sie das, was Marlene Dietrich in den Konzerthallen fand: Eine Kunstform, die sie so zeigte, wie sie sich selber sah – natürlich und intelligent, leidenschaftlich und voller Leben. Wer diese Bilder sah, hatte eigentlich nur noch zwei Wünsche: Entweder man wollte sein wie Romy Schneider, die zum Vorbild selbstbestimmter Weiblichkeit geworden war. Oder man wollte mit ihr diese wunderbaren Augenblicke teilen.

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