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Judith Butler Keine Tröten gegen Butler

Judith Butler besucht das Jüdische Museum in Berlin und verteidigt ihre Israel-Kritik. Lärmige Demonstranten wie noch vor ein paar Tagen bei der Verleihung des Adorno-Preises in der Frankfurter Paulskirche sind weder zu sehen noch zu hören.

Judith Butler im Jüdischen Museum in Berlin. Foto: dapd

Judith Butler besucht das Jüdische Museum in Berlin und verteidigt ihre Israel-Kritik. Lärmige Demonstranten wie noch vor ein paar Tagen bei der Verleihung des Adorno-Preises in der Frankfurter Paulskirche sind weder zu sehen noch zu hören.

Ein Hauch von Weltpresse weht durch den großen Glashof im Jüdischen Museum Berlin. Fotografen haben Stellung bezogen vor dem roten Sofa auf der Bühne. Man kniet, beugt sich vor, hält die Kamera fürs Hoch- und Querformat – das volle Programm. Verschlüsse rattern. „Machinegun“ entfährt es Judith Butler, sie sitzt da etwas verloren und lässt das ganze Buhei geduldig lächelnd über sich ergehen. Es ist Samstagabend, vor dem Museum haben sich lange Schlangen gebildet, Menschen drängeln sich durch die Sicherheitsschleuse. Die Veranstaltung sei komplett ausgebucht, heißt es, und werde zusätzlich ins Dachgeschoss übertragen.

Ins Gespräch kommen

Lärmige Demonstranten wie noch vor ein paar Tagen bei der Verleihung des Adorno-Preises in der Frankfurter Paulskirche sind weder zu sehen noch zu hören. Gleichwohl dürfte die wochenlange Diskussion um Judith Butler und ihre Preiswürdigkeit zu dem Besucheransturm in Berlin geführt haben. Hier hat man sich allerdings vorgenommen, mit der amerikanischen Philosophin ins Gespräch zu kommen anstatt gegen sie anzutröten. Die Programmdirektorin des Museums, Cilly Kugelmann, heißt dann auch ihren Gast willkommen und freut sich über das große Interesse, damit habe man bei der schon weiter zurückliegenden Planung wirklich nicht gerechnet.

Das Thema des Abends nimmt sich bedächtig aus: Gehört der Zionismus zum Judentum? Butler diskutiert diese Frage mit dem Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, beide bejahen sie, allerdings mit Vorbehalten: Na klar gehöre das eine zum anderen – auch wenn der Zionismus nicht ohne Tücken sei, etwa wenn er als aggressiver Nationalismus und Rassismus auftrete. Auf das Konzept eines bloß kulturellen Zionismus will sich Brumlik dagegen nicht einlassen, schließlich sei das Judentum nicht nur als eine – assimilierbare – Konfession, sondern immer auch in Bezug auf das „gelobte Land“ zu verstehen, und das heiße: die Errichtung eines jüdischen Staats.

Israel-Kritik statt Antisemitismus

Und schon ist das Gespräch bei dem Thema angekommen, das in den letzten Wochen für einige Aufregung sorgte: Butler verwahrt sich erneut gegen die polemische Verwechslung ihrer Israel-Kritik mit Antisemitismus. Vor allem aber möchte sie die Diskussion um die israelische Besatzungspolitik nicht allein als innerjüdische Angelegenheit verstanden wissen, insofern hier universal gültige Menschen- und Völkerrechte berührt seien. Den Vorwurf Brumliks, damit vertrete sie doch einen abstrakten Universalismus, kontert sie mit dem Hinweis, einer müsse schließlich für das „Nicht-Wirkliche“ oder „Unwahrscheinliche“ einstehen.

In der Tat, dafür ist die Philosophie da. Darin liegt ihre Würde.

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