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Israelboykott Es geht um Gebietsansprüche

Argumente haben ausgedient, wenn es um den Boykott von Veranstaltungen geht, an denen Israel beteiligt ist.

Was sind das für Zeiten, in denen ein Gespräch über die Freiheit des einen als Verbrechen erscheint, weil es die Unfreiheit eines anderen impliziert? Die BDS-Bewegung etwa. Sie ruft Künstler auf, Veranstaltungen, an denen der Staat Israel beteiligt ist, und sei es mit einem kleinen Reisekostenzuschuss zum Berliner Pop Festival, zu boykottieren.

Das schottische Hip-Hop-Trio Young Fathers kam deswegen 2017 nicht nach Berlin. Da war der Zuschuss der israelischen Botschaft noch geringer als in diesem, aber die Musiker wollten und wollen an keiner Kulturfassade mitwirken, die den Umgang Israels mit den Palästinensern „übertünche“, wie sie vor ein paar Monaten im Deutschlandfunk noch einmal bekräftigten.

Dieses Jahr wurden die Young Fathers nun zur Ruhrtriennale eingeladen, wollten auch kommen, wurden dann im Juni aber wieder ausgeladen, weil die Intendantin Stefanie Carp der öffentlichen Kritik nicht standhielt, Unterstützer des BDS beim Festival zu präsentieren. Inzwischen hat sie sich von der Distanzierung wieder distanziert, aber weil nun die Young Fathers nicht mehr in Bochum auftreten wollen, findet dort am 18. August statt dessen ein – von Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert moderiertes – Gespräch über die „Freiheit der Künste“ statt.

Eingeladen sind unter anderen der belgische Choreograf Alain Platel und der New Yorker Komponist Elliott Sharp, Ruhrtriennale-Künstler, die gegen die Ausladung der Young Fathers heftig protestiert hatten. Von israelischer Seite oder von den jüdischen Landesverbänden der Umgebung ist niemand aufs Podium gebeten worden, was von dort jetzt sehr beklagt wird.

Wobei man natürlich aller Argumente ahnt, und tatsächlich geht es auch nicht um Argumente, sondern um Gebietsansprüche und Frontlinien. Der Freund meines Feindes muss mein Feind sein, und das will ich zeigen. Aber ist der Feind meines Feindes dann umgekehrt mein Freund? Mit Neonazis will die BDS-Bewegung jedenfalls nichts zu tun haben. Das Berliner Pop Festival eröffnet indessen am 15. August mit einem Gespräch mit der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron, die sich in der jüdisch-palästinensischen Freundschaft engagiert und deren Mutter, eine Shoah-Überlebende, die deutsche Sprache und deutsche Produkte boykottiert hatte. In der Tat mag der Gewissheit eines Boykotts am besten mit Ungewissem zu begegnen sein, mit Fragen, Widersprüchen und Persönlichem. Denn auch wenn die Probleme drängend sind: sie können nicht in der gleichen Denkweise gelöst werden, in der sie entstanden.

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