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Israel Rechte Ministerin geht gegen Westbank-„Boykott“ vor

Israels Kulturministerin Kulturministerin Miri Regev will Künstler zwingen, in jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten aufzutreten. Wer sich weigert, dem drohen Sanktionen.

Die israelische Kulturministerin Miri Regev (Likud), hier im Wahlkampf. Foto: REUTERS

Deklaration über Auftritte in der Peripherie“ ist ein Formblatt betitelt, das diese Woche den Leitern israelischer Theater- und Ballettgruppen ins Haus flatterte. Verlangt wird von den Managern zu erklären, ob ihre Kulturinstitutionen im vergangenen Jahr in den entlegenen Landesteilen wie im Negev oder in Galiläa, aber auch in den jüdischen Siedlungen im Westjordanland Gastspiele gegeben hätten. Falls nicht, droht eine Kürzung staatlicher Subventionen um ein Drittel. Umgekehrt gilt, wer vor Westbank-Siedlern spielt, wird mit einem Bonus von zehn Prozent belohnt.

Entsprechende Kriterien hatte Israels Kulturministerin Miri Regev vom nationalrechten Flügel der Likud-Partei bereits im April erlassen. Mit dem Formblatt, das bis Mitte Juli ausgefüllt und zurückgesendet werden muss, erhalte das zuständige Komitee eine Handhabe, um über die Höhe weiterer Förderung zu entscheiden, ließ Regev bekanntgeben. Sie werde „keine Boykotte seitens kultureller Institutionen dulden“.

Viele Künstler verweigern Auftritte vor Siedlern

Kritische Kulturschaffende in Israel verstehen dies als Kampfansage. Über hundert Schauspieler, Regisseure und Intellektuelle hatten bereits 2010 ihre Weigerung kundgetan, im gerade neu eröffneten Kulturzentrum der Westbank-Siedlung Ariel aufzutreten. Die Kontroverse darum zog wenig später den Regierungsbeschluss nach sich, Boykottaufrufe zu verbieten. Nicht wenige Institutionen vermeiden es trotzdem, in den nach internationalem Recht als besetzt geltenden Teilen des Westjordanlandes auf Tour zu gehen.

Kulturministerin Miri Regev, eine Brigadegeneralin der Reserve, verfolgte ihnen gegenüber von Beginn an eine Null-Toleranz-Politik. So drohte sie, kaum im Amt, dem arabischen Kindertheater in Jaffa mit einer Mittelsperrung, weil es nur im israelischen Kernland auftreten wollte. Sein Leiter, der Schauspieler Norman Issa, sah sich notgedrungen zu einem Rückzieher gezwungen.

Erst im Frühjahr hatte Regev israelischen Künstlern vorgeworfen, die Interessen des breiten Publikums zu ignorieren. Sie werde diesen „Bullshit streichen“, ein Hieb auf progressive Produktionen der von ihr geschmähten „urbanen Elite“. Dass die Peripherie kulturell unterbelichtet ist, lässt sich zwar nicht bestreiten. Aber um sie geht es Regev weniger. Drei Büchereibusse, die Beduinen und andere arabische Israelis im Negev und in Galiläa mit Lesestoff versorgen, erhielten keine feste Zusage auf ministerielles Fördergeld. Das Projekt überlebt nur dank finanzieller Unterstützung der nationalen Lotterie.

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