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Interview "Es wird schwierig, in Deutschland Filme zu machen"

Barbara Sukowa zählt zu den international bekanntesten deutschen Schauspielerinnen. Nach mehrjähriger Pause ist sie nun wieder im deutschen Kino zu sehen.

06.09.2008 15:09

Berlin (ddp) - Barbara Sukowa zählt zu den international bekanntesten deutschen Schauspielerinnen. Durch ihre Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder ("Berlin Alexanderplatz") und Margarethe von Trotta ("Die bleierne Zeit") hat sie deutsche Filmgeschichte geschrieben.

Nach mehrjähriger Pause ist sie nun wieder im deutschen Kino zu sehen. In der Literaturverfilmung "Die Entdeckung der Currywurst" von Ulla Wagner, die am 11. September in die Kinos kommt, spielt sie eine Hamburger Kantinenleiterin, die kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges einen fahnenflüchtigen Soldaten (Alexander Khuon) versteckt und lieben lernt, der halb so alt ist wie sie. Mit Sukowa sprach Reinhard Kleber.

Reinhard Kleber: Zuletzt waren Sie 2003 in "Hierankl" im deutschen Kino zu sehen. Wie kommt es, dass Sie so selten in hiesigen Kinofilmen auftreten?

Barbara Sukowa: Das liegt an den Anfragen. Zwischendurch gab es ganz schöne Drehbücher, aber die bekamen keine Finanzierung. Es wird schwierig, in Deutschland Filme zu machen.

Seit Sie Anfang der 90er Jahre nach New York gezogen sind, haben Sie in etlichen amerikanischen Filmen mitgespielt. Ist das für Sie ein Unterschied?

Sukowa: Ich muss sagen, ich drehe nicht so gern in Amerika. Einerseits ist es die Sprache, andererseits eine ganz andere Atmosphäre. Wenn Sie in Deutschland einen Film wie "Hierankl" drehen, arbeitet man sehr familiär. In Amerika ist das streng hierarchisch getrennt. Die Crew sitzt nicht mit den Schauspielern zusammen. Die Schauspieler reden kaum über ihre Rollen miteinander.

Sie drehen aber trotzdem hin und wieder dort?

Sukowa: Wenn es nicht mal eine ganz tolle Rolle ist, die ich bis jetzt noch nicht hatte, dann will es eigentlich nicht mehr machen.

Was hat Sie denn an der Rolle in Ulla Wagners Film gereizt?

Sukowa: Dass sie eine Entwicklung hat. Mich hat auch gereizt, dass es keine intellektuelle, keine gebildete Frau ist. Sie riskiert aber etwas. Es geht im Film ja weniger um die Nazizeit, das Buch ist da viel mehr fixiert auf die historische Situation. Der Film geht mehr auf die Beziehung zwischen den beiden Menschen ein, das hat mich interessiert.

Die Figur ist ja unverwüstlich optimistisch und lässt die Unbilden der Zeit nicht an sich heran. Halten Sie die Lebenseinstellung dieser Frau für realistisch in der Kriegszeit?

Sukowa: Ja, ich glaube, gerade in solchen Zeiten müssen die Menschen ihre seelischen Abwehrkräfte aufbauen. Wenn man Zeit hat und nicht arbeitet, setzen die Neurosen und Psychosen viel stärker ein, als wenn man mit dem täglichen Leben konfrontiert ist. Wenn man arbeiten muss und es sich nicht leisten kann, in Depressionen zu verfallen. Das ist eine Überlebenstaktik. Deswegen haben ja die Leute auch so viel nicht wahrgenommen und an sich herangelassen, nehme ich an. Und wir fragen uns: Wie konnte das sein, dass sie nicht gemerkt haben, was vorging.

Im Mittelpunkt steht ja die Liebesbeziehung zwischen einer älteren Frau und einem jungen Mann, die in der westlichen Welt noch immer mit einer Art Tabu belegt ist. Verstehen Sie Ihre Rolle auch als Aufruf zu mehr Toleranz und Gleichberechtigung?

Sukowa: Das habe ich nicht so programmatisch gedacht. Ich glaube, diese Beziehung hätte so nicht stattgefunden, wenn es diese extreme Zeit nicht gegeben hätte. Solche Beziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern gibt es auch heute, das ist in Ordnung. Diese Ablehnung kommt aus der Religion oder einer puritanischen Haltung: Wenn Sex nicht dazu dient, Kinder zu zeugen, ist er böse. Bei einem alten Mann und einer jungen Frau ist es ja theoretisch möglich, dass aus einer körperlichen Beziehung ein Kind entsteht. Das ist dann tolerierbar. Aber umgekehrt ist klar, dass es nur um die Lust geht. Es wäre schon gut, wenn da mehr Offenheit entstehen würde.

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