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Im 12-Spartenhaus Uns ist ein Kind geboren

Neues aus dem Prater: „12-Spartenhaus“ von Vegard Vinge und Ida Müller, Teil 6 - postperformative Publikumsnarretei mit familientauglichen Bildern und Szenen.

27.05.2013 16:28
Von Dirk Pilz
Dieses Wesen kennt nur ein Wort: „Määäßigung, Määäßigung!“ Foto: William Minke

Die sechste Vorstellung des bedeutendsten und verrücktesten, gleichwohl aber überschätztesten und albernsten Supertheaterdings des Jahres, dem von Vegard Vinge und Ida Müller eingerichteten „12-Spartenhaus“ im Prater der Volksbühne, hat dem Zuschauer am Freitag allerlei tolle Neuigkeiten beschert. Die Wichtigste: Der Schauspieler Volker Spengler, Jahrgang 1939, ist Vater geworden! Unter Schmerzen, mit Atemmaske und nach liebevoller Bauchmassage gebar er ein Kind. Wir gratulieren!

Leider durften wir auch dies nur vom Foyer aus per Video erleben. Mancherlei Sparten-Geschehen ist zwar durch die freundlicherweise angebrachten Fenster aus dem Bühneninnen zu erhaschen, etwa eine herrliche Plastikstuhlzertrümmerungsnummer, die mit Bachs h-Moll-Messe unterlegt wurde. Zumeist aber werden die irgendwo im fest verrammelten Drinnen gespielten Szenchen von eifrigen Kameramenschen eingefangen und zu uns ins Draußen übermittelt.

Erstaunliche Werktreue

Also steht das Zuschauvolk (noch immer hauptsächlich Theaterbetriebsangehörige) mit Bier und Brötchen herum (kann man kaufen) und guckt Film. Eine Nackte mit Maske duscht und wird ermordet (Horror!), ein Organist wird erschossen, erlebt das Wunder der Wiederauferstehung und wird abermals erschossen (traurig!), ein schwarz Geschminkter (Achtung: Blackfacing!) spielt Akkordeon, ein Presseheini hockt vor seiner Schreibmaschine. Vieles ist übrigens in erstaunlicher Werktreue Ibsens „Volksfeind“ entnommen, aber das macht nichts. Alles ist sehr hübsch, fast familientauglich.

Nach viereinhalb Stunden bin ich gegangen. Mir wurd’ das Filmgetue fad. Vielleicht haben sie die Pforten zur Bühne noch geöffnet, vielleicht nicht, vielleicht doch. Egal. Unwichtig. Das „12-Spartenhaus“ ist postperformative Publikumsnarretei: draußen, drinnen, alles gleich.

12-Spartenhaus, Volksbühne im Prater, 7., 9., 13.6., T.: 240 65 777

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