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IFA Intellektueller Kopf

Ulrich Raulff soll künftig die auswärtige Kulturpolitik mitgestalten. Ein bemerkenswertes Signal.

Ulrich Raulff
Ulrich Raulff wechselt vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach nach Berlin. Foto: dpa

Als im vergangenen Sommer der 9. Kulturpolitische Bundeskongress in der Katholischen Akademie in Berlin abgehalten wurde, befand sich auch der Kulturmanager Martin Roth unter den Zuhörern. Als designierter Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen (IFA) nutzte er die Kongresspausen zum intensiven Ideenaustausch. Martin Roth schien voller Tatendrang, obwohl er schon sichtlich angeschlagen war. Er hatte stark an Körpergewicht verloren, aber das ließ ihn auf dieser Tagung nur noch agiler erscheinen. Aber leider täuschte der Eindruck, Anfang August erlag Martin Roth im Alter von 62 Jahren seiner Krebserkrankung, die neue Aufgabe beim IFA konnte er nicht mehr übernehmen.

Das IFA hat nun einen Nachfolger gefunden, vom 1. Oktober an wird Ulrich Raulff den vakanten Posten bei der 1917 gegründeten Mittlerorganisation übernehmen. Das ist für sich genommen eine kulturpolitische Randnotiz, das Präsidentenamt bei der IFA ist ein Ehrenamt, eine gewiss reizvolle Aufgabe für den vielseitigen Intellektuellen Ulrich Raulff, der noch bis zum Ende des Jahres Direktor des Literatur Literaturarchivs in Marbach ist, das er seit 2004 geleitet hat.

Eine besondere Pointe ist die Besetzung des Postens aber schon deshalb, weil Raulff eine innige Freundschaft mit Martin Roth verband, vorübergehend lebten die beiden sogar in einer Wohngemeinschaft zusammen. Zwei umtriebige Geister, die in ihren Wirkungsfeldern jedoch sehr unterschiedlich agierten. Martin Roth hatte über die Geschichte der Weltausstellungen gearbeitet, und nach seiner Zeit als Leiter des Dresdener Hygiene-Museums schien es für ihn an der Zeit, bei der Expo 2000 in Hannover selbst die moderne Version einer Weltausstellung anzuleiten. Wo immer Martin Roth wirkte, trat er als anregender Macher in Erscheinung. Ulrich Raulff ist ein Mann der Theorie, der als Feuilletonchef der FAZ bis 2004 aber auch streitlustig manche Historikerdebatte ins Blatt holte und 2015 ganz nebenbei eine glänzend geschriebene Geschichte über die Rolle des Pferdes in der Moderne vorlegte.

Dass einer wie Ulrich Raulff nun in der Auswärtigen Kulturpolitik reüssiert, ist ein bemerkenswertes Signal, das schon deshalb Aufmerksamkeit verdient, weil dieses Politikfeld nun mit Michelle Müntefering als neue Staatsministerin eine spürbare Aufwertung erfahren hat. Ulrich Raulff wird nicht übernommen haben, weil sein Büro in Stuttgart über einen bequemen Sessel verfügt.

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