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Hans-Werner Meyer „Viele Schauspieler leben in prekären Verhältnissen“

Hans-Werner Meyer spricht im Interview über geringe Gagen und eine schlechte Altersabsicherung in seinem Beruf.

Hans-Werner Meyer
„Wer es machen will, lässt sich sowieso nicht davon abbringen“, sagt Hans-Werner Meyer. Foto: Markus Wächter

Als Hans-Werner Meyer mit Anfang zwanzig an der Schauspielschule in Hannover vorsprach, gab es in seinem Jahrgang ungefähr 800 Bewerber. Ein Bruchteil von ihnen wurde angenommen. In seiner Klasse gab es dann acht Studenten, von denen heute noch zwei in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Viele wollen Schauspieler werden, doch nur wenige können davon leben. Um die Position der darstellenden Künstler zu stärken, hat Meyer gemeinsam mit Kollegen wie Jasmin Tabatabai, Herbert Knaup und Matthias Brandt 2006 eine eigene Branchengewerkschaft gegründet, den Bundesverband Schauspiel (BFFS). Meyer ist von Beginn an ehrenamtlich im Vorstand mit dabei. Seit fünf Jahren vergibt der BFFS auch einen eigenen Schauspielerpreis.

Herr Meyer, gibt es nicht schon genug Preise? Was unterscheidet den Schauspielerpreis vom Deutschen Filmpreis oder vom Deutschen Fernsehpreis?
Erstens zeichnen hier Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Kollegen aus und zweitens machen wir keinen Unterschied zwischen den Genres. Die schauspielerische Arbeit und ihre inspirierende Wirkung auf die Kollegen ist das Kriterium, nicht die Art der Verbreitung. Ob sie also in einem Fernsehfilm, einer Serie oder einem Kinofilm stattfindet, ist nebensächlich. Und wir haben den Anspruch, das gesamte Schaffen eines Jahres im Blick zu haben.

Ihr Verband hat 3000 Mitglieder. Wie groß ist die Berufsgruppe insgesamt?
Es sind zirka 15 000 Schauspieler bei der Sozialversicherung gelistet, wir gehen aber davon aus, dass nur um die 5000 regelmäßig in diesem Beruf arbeiten.

Was machen die anderen?
Manche werden Autoren, manche schulen um, werden Heilpraktiker, kellnern oder schlagen sich mit Jobs durch, viele geben irgendwann auf.

Reich und berühmt wird man in Ihrer Branche also eher nicht.
Es gibt eine Studie, nach der etwa vier Prozent der Schauspieler in Deutschland  mehr als 100 000 Euro im Jahr verdienen und 70 Prozent unter 30 000, 60 Prozent sogar unter 20 000 Euro. Die übrigen 26 Prozent liegen irgendwo dazwischen. Vielen geht es nicht besonders gut. Sie leben in prekären Verhältnissen.

Wie haben sich die Arbeitsmarktreformen der jüngeren Zeit auf die Lage der Schauspieler ausgewirkt?
Hartz IV ist eine Katastrophe für Schauspieler. Wer da hineingerät, braucht einen Großteil seiner Energie, um die Bürokratie zu bedienen. Es ist sehr schwer, weil man zum Beispiel für Ein-Euro-Jobs zur Verfügung stehen muss, aus denen man dann nicht mehr herauskommt, falls doch mal wieder ein Drehtag kommt. Die Hartz-IV-Spirale ist für Schauspieler oft das Ende. Manche Kollegen lösen lieber ihre Lebensversicherung auf, als Hartz-IV zu beantragen.

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