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Hamburg Vorhang auf für das älteste Varieté

Blank poliertes Messing, rote Samttapeten, und der Kippschalter für den Kellner ist auch noch da: Im mehr als 100 Jahre alten Hansa-Theater in Hamburg scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

16.01.2009 11:01
Ulrich Waller, Gastronom Dirk Kowalke, Thomas Collien, Gastronom Rüdiger Kowalke und Corny Littmann im Hansa-Varieté-Theater Foto: Foto: dpa

Hamburg. Blank poliertes Messing, rote Samttapeten, und der Kippschalter für den Kellner ist auch noch da: Im mehr als 100 Jahre alten Hansa-Theater in Hamburg scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Wie eh und je steht Portier Michael Dransfeld an den Schwingtüren in seiner grauen Uniform mit der Schirmmütze und begrüßt die Gäste. Und doch ist heute ein ganz besonderer Abend für den 62-Jährigen, nicht nur, weil er prominente Gäste wie Sänger Udo Lindenberg und Schauspielerin Monica Bleibtreu begrüßt. Mit einer bunten Show mit viel Nostalgie wurde am Donnerstagabend sein Theater, Deutschlands ältestes Varieté, wiedereröffnet - nachdem es an Silvester 2001 geschlossen worden war.

"Nach sieben Jahren und 14 Tagen sind wir wahnsinnig stolz, im 114 Jahre alten Tempel des Varietés wieder eine Premiere zu präsentieren", begrüßte Thomas Collien zusammen mit Ulrich Waller die Gäste. Die Direktoren des St.-Pauli-Theaters haben mit dem Fischereihafen Restaurant Hamburg und dem Tigerpalast in Frankfurt ein neues Konzept entwickelt, um die Tradition des Hauses wiederzubeleben. "Berlin hatte seinen Wintergarten. Hamburg hat sein Hansa-Theater-Varieté: 35 Millionen Zuschauer, 25 000 Artisten, über 1000 Programme - das dürfte es nicht gewesen sein", meinte Collien optimistisch. Zunächst sind Vorstellungen bis zum 8. März geplant.

Kabarettist Heinrich Pachl - demnächst abwechselnd mit seinen Kollegen Horst Schroth, Matthias Deutschmann, Matthias Brodowy und Arnulf Rating - entführte die Zuschauer in die Welt des Varietés: Von der ukrainischen Artistin Anna Stankus mit ihren Hula-Hoop-Reifen über die atemberaubende Hand-auf-Hand-Akrobatik der Grynchenko Brothers bis zur Antipoden-Künstlerin Consuelo Reyes, die fünf Bälle gleichzeitig mit Händen und Füßen durch die Luft wirbeln kann. Für poetische Momente sorgte der norwegische Magier Finn Jon, der Seifenblasen mit Rauch ins Publikum blies und Simone Romano mit seinem fliegenden Klavier. Als besondere Gäste des Abends bezauberten die Sänger Anneke Schwabe, Stefan Gwildis und Rolf Clausen.

Das Hansa-Theater war eine Hochburg des deutschen Varietés. Paul Wilhelm Grell hatte das Haus 1894 mit 1500 Plätzen eröffnet. Die Liste der Künstler, die hier auftraten, ist lang und reicht von Hans Albers, Charly Wittong und den Gebrüder Wolf bis Josephine Baker. 1943 wurde das Haus zerstört und wieder aufgebaut. 1953 erfolgte der bisher letzte Umbau zum Showtheater mit integriertem Restaurant und 491 Plätzen. In den 50er Jahren traten hier Schlagerstars wie Caterina Valente und Conny Froboess auf. Aber auch Tierdressuren mit Elefanten, Pferden und Großkatzen gehörten zum Programm, wie etwa Siegfried und Roy, die hier 1964 das erste Mal in Hamburg auftraten.

"Toll, dass es so etwas überhaupt noch gibt", schwärmte Nadja Tiller. "Dass jemand den Mut hat, so etwas noch mal zu machen." Bereits als Kind hatte sie das Theater zusammen mit ihren Eltern besucht. "Und ich habe hier Caterina Valente mit ihrer Mutter gesehen, als sie sechs Jahre alt war", erinnerte sich ihr Mann Walter Giller. "Das Theater hat in Hamburg gefehlt und es ist sehr schön, dass es wieder da ist", meinte Sänger Udo Lindenberg, der hier Anfang der 70er Jahre erste Erfolge mit dem Panik-Orchester feierte. "Danach feierten wir mit Mutter Hermine in der Loge mit einem Piccolöchen." (dpa)

www.hansa-theater.de

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