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Goethe-Institut Kein Zutritt zum Lehrerzimmer

Das Honorarlehrer-Problem ist aus Sicht der Rentenversicherung gelöst, aber die Freien am Goethe-Institut zürnen.

Florian Feisel
Künstler sind ohnehin immer in einer prekären Lage: Florian Feisel als Gast des Goethe-Instituts in Karatschi, 2007. Foto: rtr

Der Sommer ist für das Goethe-Institut eine wichtige Zeit, auch ökonomisch gesehen. Dann finden die bei Deutschlernenden in aller Welt begehrten Sprachkurse statt. Um dem Ansturm gerecht zu werden, werden eigens Räume angemietet. Für die Erfolgsmeldung, die Mitte Juni aus dem Institut kam, war es also höchste Zeit: Die Probleme mit den Honorarkräften seien weitgehend gelöst, im Sommer könnten die Sprachkurse im Inland fast wieder im Vollbetrieb laufen, kündigte Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann an.

Die Rentenversicherung Bayern Süd hatte zuvor Zweifel angemeldet, ob es sich bei den Goethe-Honorarlehrern wirklich um freie Mitarbeiter handele oder nicht eher um Scheinselbstständige. Dies ist bis heute nicht geklärt. Die Rentenversicherung prüft immer noch. Ende 2016 beschäftigte das Goethe-Institut rund 400 Honorarlehrer.

Das Institut hat daraufhin keine Verträge mit Honorarkräften mehr abgeschlossen. Das war im Februar, und welche Existenzprobleme dies bei betroffenen „Freien“ ausgelöst hat, kann man sich vorstellen. Gelöst sind die Probleme im Sinne von Rentenversicherung und Institut für die Zukunft tatsächlich. 70 Honorarkräfte wurden fest angestellt, wenn auch befristet, eine Forderung, die die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft seit langem erhebt – dies aber für sämtliche Lehrer, die am Institut unterrichten. Aufgrund der hohen Nachfrageschwankungen im Kursbetrieb seien die Institute darauf angewiesen mit Honorarlehrkräften zu arbeiten, teilte die Pressestelle in München auf Anfrage mit. Das Institut erhält in Deutschland keine staatliche Förderung.

Seit Juni bekommen Honorarlehrer wieder Verträge. Viele von ihnen fühlen sich jedoch durch die neuen Regelungen, die aus ihnen eindeutig freie Mitarbeiter machen sollen, gedemütigt. Von beschämenden Zuständen ist die Rede. Da die Tätigkeiten von festen und freien Mitarbeitern, die am Goethe-Institut Deutsch als Fremdsprache unterrichten, nahezu identisch sind, würden nun die freien Mitarbeiter nicht mehr nur durch die schlechtere Bezahlung und den prekären Status diskriminiert – so sagt es eine Berliner Honorarlehrerin, die anonym bleiben möchte, wie auch die übrigen Lehrer, die sich dazu äußerten.

Nach FR-Informationen dürfen am Berliner Institut in der Neuen Schönhauser Straße wie auch an anderen Instituten in Deutschland die Honorarkräfte nicht mehr das Lehrerzimmer betreten, wo sie zuvor eigene Fächer hatten. Das ist nun den Festangestellten vorbehalten. Die Honorarkräfte standen in den vergangenen Wochen in den Pausen auf dem Hof. Auch der Kopierer im Lehrerzimmer ist tabu, die Honorarkräfte dürfen die hauseigenen PCs nicht mehr nutzen, auch nicht den Handapparat im Lehrerzimmer. „Ich empfinde das als Behinderung meiner professionellen Arbeit“, sagt eine Lehrerin. Von „Apartheid“ ist die Rede. Um das Klassenzimmer abschließen zu können, müssen die Freien morgens den Schlüssel beim Haustechniker abholen und ihn abends wieder in den Briefkasten werfen.

„Das sind die gesetzlichen Vorgaben, an diese müssen wir uns halten“, sagt Gabriele Stiller-Kern von der Pressestelle. Als kränkend wird die Situation von den Honorarkräften auch deshalb empfunden, weil sie ihrer Meinung nach zum Erfolgsmodell Goethe-Institut Deutschland entscheidend beigetragen haben. „Das GI hat in den vergangenen Jahren mit den billigen Freien enorm viel Geld durch nicht bezahlte Sozialversicherungs- und Rentenbeiträge verdient beziehungsweise eingespart“, sagt eine Freie.

Die Honorarlehrer beklagen sich über eine E-Mail des Regionalleiters der Goethe-Institute in Deutschland, Roland Meinert. Darin soll es heißen: „Auf jeden Fall bitte ich Sie alle darum, sich vor einer möglichen Kommunikation mit Honorarlehrkräften stets mit Ihrer Institutsleitung in Verbindung zu setzen.“ – „Die Arbeit ist sehr schwierig, ohne miteinander zu kommunizieren“, sagt ein Lehrer dazu. „Das ist nicht so gemeint gewesen“, sagt Stiller-Kern. Natürlich dürften Feste und Freie miteinander sprechen. Es sei dies eine Aufforderung an die festangestellten Lehrer gewesen, sich bei der jeweiligen Institutsleitung über die neue Situation zu informieren.

Die Rentenversicherung ist mit den neuen Verträgen zufrieden. „Das unternehmerische Risiko muss bei den freien Mitarbeitern liegen“, sagt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund. „Freie Mitarbeiter dürfen nicht in den Arbeitsablauf eingegliedert sein.“

Wie sich das bei Sprachlehrern bewerkstelligen lässt, die sich an feste Zeiten in festen Räumen halten müssen? Nach FR-Informationen ist es so geregelt, dass die Honorarkräfte den Unterricht gar nicht selbst halten müssen, sondern auch andere beauftragen dürfen, als eine Art Subunternehmer. Auch die Vertretung im Krankheitsfall müssen sie künftig selbst organisieren. Welche Qualitätsstandards für den Unterricht an Goethe-Instituten gelten, erläutert offenbar ein Anhang, der den neuen Verträgen beigefügt ist.

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