Lade Inhalte...

Flughafen Angekommen in der Groteske

Inspiriert durch die gefühlt fünfzigste Verschiebung der Eröffnung des Berliner Flughafens sind Flughafen und Spotter auf einem neuen Level angekommen, der Groteske. Durch Intuition erfasst und mit einem Lachen, das sich hier von jedem Zweck gelöst hat.

18.01.2013 15:57
Maja Beckers
Zum gefühlt fünfzigsten Mal wurde die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens verschoben. Foto: dpa

Das Lachen, schrieb Charles Baudelaire, rührt vom Gefühl der Überlegenheit her. Wie sehr wird das deutlich bei all dem Spott, mit dem die Verantwortlichen des Flughafens BER überzogen werden! Inspiriert durch die gefühlt fünfzigste Verschiebung der Eröffnung und dem Bekanntwerden des vollen Ausmaßes der Katastrophe sind Flughafen und Spötter allerdings auf einem neuen Level angekommen, der Groteske.

Baudelaire unterschied zwischen zwei Formen der Komik. Die „inhaltliche Komik“ nimmt Bezug auf ein konkretes Thema, etwa durch Satire oder Karikatur. So, wie diese Witzeleien aus der BER-Vergangenheit: „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen“, „Wenn der Flughafen fertig ist, fliegt man von dort zu Mars und Mond“ oder „Willy-Brandtschutz“. Gezielt verwiesen sie auf terminliche Schwierigkeiten, dilettantische Planung oder den fehlenden Brandschutz.

Die Satireseite „Der Postillon“ entwickelte sogar die Zeitform Futur III, um Gespräche über den Flughafen zu ermöglichen. Denn sie sei geeignet, Dinge zu beschreiben, die in Zukunft nie passieren werden: „Ich werde nächstes Jahr in den Urlaub geflogen wären gewesen.“ Es ist immer auch eine intellektuelle Komik, denn man begreift sie mit dem Verstand.

„Ich versteh’ nur Flughafen“

Die zweite Gattung, die Groteske, wird dagegen durch Intuition erfasst. Baudelaire nennt sie „absolute Komik“ und das Lachen hat sich hier von jedem Zweck gelöst. Es ist kein Witz über etwas, sondern geht selbst von einem unfreiwillig komischen Gegenstand aus. Dass das Lachen über den Flughafen hier angekommen ist, zeigt sich an den neuen Sprüchen wie „Ich versteh’ nur Flughafen“, die keine inhaltlichen Anspielungen mehr machen, sondern vor der Unfassbarkeit des Bizarren resignieren.

Sowie an spontanen Reaktionen, wie dem Grinsen, das uns bereits entfleucht, wenn das BER-Logo hinter dem Nachrichtensprecher auftaucht, noch bevor dieser zu reden beginnt. Und wenn Wowereit und Platzeck nun einfach die Plätze auf dem Verlierertreppchen getauscht haben, ist das so unfreiwillig komisch, dass es keiner Satire mehr bedarf.

Dies ist laut Baudelaire die höhere Stufe der Komik. Denn während die Pointen inhaltlicher Komik von immer neuen abgelöst werden, enthält die Groteske ein geheimnisvolles Element des Unvergänglichen. Damit ist der Flughafen aufgestiegen in die höchste und dauerhafte Form der Komik. Mensch, das ist doch was! Da ist man doch fast schon wieder geneigt, von einer „Erfolgsgeschichte“ zu sprechen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen