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Erasmus-Stiftung So gaukelt die AfD Humanismus vor

Parteiinterne Stiftungen sind üblich. Nun will auch die AfD nachziehen und eine Stiftung gründen. Benannt werden soll sie ausgerechnet nach Erasmus von Rotterdam.

AfD
Erasmus steht für Humanismus und Toleranz - Alexander Gauland auch? Foto: afd

Die AfD möchte eine Stiftung gründen, das ist ihr gutes Recht. Andere Parteien im Parlament haben auch ihre parteinahen Stiftungen, und stets tragen sie Namen von Menschen, die den Ideen der Parteien nahestanden. Die Linke hat ihre Stiftung nach Rosa Luxemburg benannt, die SPD nach Friedrich Ebert, die CDU nach Adenauer. Ergibt jeweils Sinn. Die AfD streitet intern zwar noch über den genauen Titel ihrer Partei-Stiftung, aber der Namensträger steht fest: Erasmus von Rotterdam.

Soll das ein Witz sein? Für Scherze war Erasmus durchaus zu haben, er hat herrliche Satiren geschrieben. Vor allem aber war der 1536 in Basel verstorbene Philologe, Priester, Dichter, Übersetzer, Politiker, Papstkritiker und Reformator einer der gelehrtesten und tolerantesten Humanisten seiner Zeit. Und er war, im Unterschied zu seinem Zeitgenossen Martin Luther etwa, mit dem er über die Freiheit des Willens eine epochemachende Debatte führte, überzeugter Europäer, verbrachte einen großen Teil seines Lebens auf Reisen, korrespondierte und netzwerkte über die Sprach- und Landesgrenzen hinweg, schrieb dabei gut 150 Bücher, verfasste 2000 Briefe, alles stets im Kampf für ein tolerantes, gelehrtes, weltoffenes Christentum.

Luther hat ihn einst gedrängt, sich zu seiner reformatorischen Sache zu bekennen, aber das wollte Erasmus auf keinen Fall: Partei ergreifen, sich zu einer Front bekennen müssen; ihm war schon das militärische Vokabular suspekt. An Ulrich von Hutten, seinen Freund, mit dem er sich später wegen Luther zerstritt, schrieb er, er weigere sich, „sich in die Angelegenheiten irgendeiner Partei einzumischen. Ich liebe die Freiheit, und ich will nicht und kann nicht irgendeiner Partei dienen.“ Luther warf er auch deshalb (mit einigem Recht) populistische Methoden vor, weil er alles „zur Bestätigung der vorgefassten Meinung ummodelt“, weil sich ihm auch alles, „was immer zufällig zur Hand ist, ob es nun ein Humpen oder ein Teller ist, in ein Geschoss verwandelt“.

Nach diesem Streiter für Vernunft, für Besonnenheit und Toleranz also will die AfD ihre Stiftung benennen? Man kann das nicht anders als eine Unverschämtheit nennen. Es ist der Versuch, den Humanismus mit einer Politik zu entern, die gerade gegen jede Weltoffenheit und Menschlichkeit ihre nationalistischen und rassistischen Propaganda-Humpen wirft. Oder will sich die AfD auf den Antisemitismus berufen, der sich bei Erasmus (wie bei Luther) auch findet? Vermutlich nicht. Sie will „das Volk“ für dumm verkaufen und Humanismus vorgaukeln, wo Menschenverachtung ist. Man darf es sich nicht bieten lassen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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