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Entwicklungshilfe Religiöse Partner der Politik

Das Entwicklungsministerium sucht die Zusammenarbeit mit Religionsvertretern. Man erhofft sich, neue Potenziale zu schließen. Die Religion könne "Brücken bauen", heißt es.

08.03.2016 15:49
Dirk Pilz
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Foto: epd/ Christian-Ditsch.de

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung heißt Gerd Müller, CSU-Mitglied. Das will erwähnt werden, denn allzu großer Bekanntheit erfreut sich das Entwicklungsministerium traditionell nicht, obwohl längst sämtliche Spatzen von den Dächern pfeifen, dass der Entwicklungspolitik eine zentrale Rolle in den vielfältigen internationalen Konflikten zukommt. Ohne gescheite Entwicklungspolitik keine fruchtbare, friedensfördernde Zusammenarbeit: eine Binse.

Nur, was ist gescheit in der Entwicklungspolitik? Erstmals hat das Entwicklungsministerium jetzt eine sogenannte „Religionsstrategie“. Zusammenarbeit mit Kirchen und religiösen Gruppen gibt es seit langem, künftig sollen aber Religionsvertreter und „glaubensbasierte Organisationen“ Partner in der Entwicklungspolitik sein. Bislang gehorchte das entwicklungspolitische Selbstverständnis dagegen einem schlichten Aufklärungsverständnis: Religionen galten eher als Hindernis, nicht als Partner. Müller aber sagt, „Religion kann Brücken bauen und Menschen motivieren, sich für Andere und die Umwelt einzusetzen. Dieses Potenzial haben wir viel zu lange vernachlässigt“. Bereits vor drei Jahren schuf er seine Taskforce „Werte, Religion und Entwicklung“ und richtete in der Ministeriumsabteilung 1 die Unterabteilung 11 ein, zuständig für Zivilgesellschaft, Kirchen und Wirtschaft in der Entwicklungszusammenarbeit, die jetzt die neue Religionsstrategie vorgestellt hat.

Ihr Leiter, Ministerialdirigent Bernhard Felmberg, verkündete nun, das Potenzial von Religionen für nachhaltige Entwicklung sei zu lange ignoriert worden. „Dabei haben wir es oft mit Ländern zu tun, in denen die Menschen mehr auf religiöse Führer hören als auf Regierungen.“ Wer aber um die Kraft der Religion wisse, könne mehr erreichen.

Das sind ganz neue Töne aus dem Ministerium; es hat, ohne dass es von der größeren Öffentlichkeit bemerkt worden wäre, einen Paradigmenwechsel vollzogen. Endlich, möchte man meinen. Denn dass man besser mit als gegen die Religionen arbeitet, hat sich längst auch unter den hartnäckigsten Religionsverächtern herumgesprochen. Man muss auch nicht fürchten, dass der Staat hier seine weltanschauliche Neutralität aufgibt – aber dass sich die Religionen vor einen politischen Karren spannen lassen. Das jedoch hilft weder dem Staat noch den Religionen; sie sollten einander kritische Partner sein und bleiben. Insofern: Das Entwicklungsministerium hat den Hut in den Ring geworfen, jetzt liegt es an den Religionsvertretern, ihn gescheit aufzufangen.

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