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Douglas Hofstadter „Ich freue mich immer, wenn Computer scheitern“

Der Kognitionswissenschaftler Douglas Hofstadter über die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz und was der Mensch ihr immer noch voraus hat.

Roboter
Juli 2018: Roboter Sophia stellt sich auf einer Konferenz in Hongkong vor. Foto: afp

Professor Hofstadter, es wird viel über Künstliche Intelligenz diskutiert. Sind die Rechner bald leistungsfähiger als unser Geist?
Im Prinzip können Rechner alles, was ein menschlicher Geist auch kann. Dass sie leistungsfähiger wären als das menschliche Denken, ist noch nicht die Gegenwart, sondern eine Perspektive der Zukunft, also noch Theorie. 

Denkt der Mensch anders als Maschinen denken?
Was die Rechner heute machen, hat fast nichts mit dem menschlichen Denken zu tun. Programme wie Google Translate übersetzen und sind manchmal imponierend, denn sie produzieren sehr, sehr schnell gute Übersetzungen. Aber sie machen auch lächerliche Fehler, unglaubliche Fehler sogar. Und das ständig.

Wie kommt das?
Google Translate ist ein Übersetzungsprogramm ohne eigene Ideen oder Bilder. Die Wörter in so einem Übersetzungsprogramm haben keinen Sinn; sie sind ganz und gar leer. Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass Google Translate rein gar nichts versteht. Es ist natürlich auch keine Überraschung. Solche Programme sind nicht gemacht worden, um zu verstehen. Hinter den Kulissen des Rechners gibt es keine Begriffe. Die vielen Fehler sind also auch keine Überraschung.

Wird es dennoch irgendwann eine maschinelle Superintelligenz geben, die viele ja fürchten?
Als ich vor 40 Jahren angefangen habe, mich mit künstlicher Intelligenz zu beschäftigen, dachte ich – und hoffe es noch heute –, dass die maschinelle Intelligenz immer unter dem Niveau der menschlichen Intelligenz liegen würde. Deshalb hatte ich vor ihr keine Angst. Aber seit den 90er Jahren habe ich angefangen, Angst zu spüren. Vielleicht hatte ich mich geirrt, dachte ich. Die künstliche Intelligenz entwickelt sich schneller, als ich dachte, und wird in ihren Leistungen viel schneller, als ich es mir je vorgestellt hätte. Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt, dass uns die Rechner bald überlegen sind. Die Idee finde ich sehr erschreckend, und ich freue mich deshalb immer, wenn Computer scheitern. Aber im Prinzip ist es doch möglich. Die Rechner haben die Kapazität, alles nachahmen zu können, was in unserem Gehirn passiert.

Das Thema Intelligenz ist Bestandteil Ihres Forschens. Wie definieren Sie „Intelligenz“?
Nach einigen Jahren habe ich folgende Antwort darauf gefunden: Intelligenz besteht darin, dass man in einem neuen Zustand die Essenz der Sache ziemlich schnell finden kann und imstande ist, zu unterscheiden, was wichtig ist und was nicht wichtig ist. 

Es hört sich so an, als könne man Intelligenz nicht lehren. 
Das stimmt. Man kann aber dennoch von vielen anderen Menschen lernen — vor allem, wenn die Schule oder die Familie oder der Einfluss von Freunden sehr reich an Wissen ist. 

Kann man sagen, dass Menschen, die mehr Erfahrungen gemacht haben, anders denken als Menschen, die immer nur an einem Ort gewesen sind? Zum Beispiel in Bezug auf Rassismus.
Das Reisen vor allem in der abstrakten Welt, viel studieren, andere Sprachen lernen, erweitert den eigenen Begriffsschatz. Das macht das Denken flexibler.

Wie ist es mit Kindern und Mathematik? Warum lernen sie das Fach so mäßig bis schlecht?
Leider ist es so, dass die Lehrer sehr oft die Mathematik selber nicht verstehen. Sie verstehen die fundamentalen Begriffe nicht, Division, Multiplikation. Aber nur wenn die Lehrer gut sind, verstehen es auch die Schüler. Ich glaube, dass jedes Kind imstande ist, die Begriffe auf dem Niveau des Gymnasiums zu verstehen. Die Mathematik ist am Ende nicht so schwierig. Algebra, Geometrie, Division — für meine Tochter zum Beispiel war das ein großes Problem, weil sie keine guten Mathematiklehrer hatte. Für mich war das sehr traurig.

Sie haben herausgefunden, dass unser alltägliches Denken durch Analogien zustande kommt. 
Für die meisten Kognitionswissenschaftler ist eine Analogie eher etwas Abstraktes. Sie glauben, dass Analogien eine große Rolle nur in der Mathematik oder in der Physik spielen. Dabei spielen sie in jeder Sekunde unseres Denkens eine große Rolle. Aristoteles dachte daran, dass sich A:B wie C:D verhält. Aber wenn ich ein „A“ wiedererkenne (hier spreche ich von dem Buchstaben „A“), würden die Wissenschaftler oder Aristoteles nicht sagen, dass ich eine Analogie erkenne. Ich aber würde es ohne Zweifel behaupten. Ich habe einen sehr viel reichhaltigeren Begriff davon, was eine Analogie ist. 

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